Menschen interessieren mich. Ich möchte Antworten auf Fragen zu Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Gleichstellung, politischen Belangen und Bildung, Auch soll hier Raum zum fachlichen Austausch entstehen - ganz im Sinne des Best Practise-Ansatzes. Allen hier portraitierten Interviewpartnern gilt mein Dank für ihre differenzierte Meinungsäusserung.


Ein virtueller Kaffee mit den Gebrüdern Emanuel, Johannes und Julius Unser, Kressbronn am Bodensee

Die sympathischen "Werftbuben" küssen die bodan-werft nach langem Dornröschenschlaf wieder wach und leben ihren traum mit der "werft1919"

Die Gebrüder Unser (vlnr): Julius, Emanuel (hier in der lokalen Kaffeerösterei Hensler, Lindau, wo sie ihren Kaffee beziehen) sowie Johannes Unser

Emanuel, wir kennen uns aus einer gemeinsamen beruflichen Station. Seitdem ist viel geschehen und du bist dabei mit deinen beiden Brüdern Julius und Johannes ein Gastronomieunternehmen, die "Werft1919", in Kressbronn am Bodensee zu eröffnen. Die "Taufe" nach dem langen Umbau des altehrwürdigen Bodan-Werftareals steht im Sommer an – erzähl doch von diesem Vorhaben und wie ihr zu diesem unternehmerischen Unterfangen gekommen seid.

Wie so oft in unserem Leben hat unsere Mama Einfluss darauf genommen, dass wir drei Brüder am zweiten Weihnachtsfeiertag 2017 einen Spaziergang über das Werftgelände gemacht

haben. Dabei ist uns das alte Gebäude-Ensemble direkt am Wasser aufgefallen und wir waren damals bereits überzeugt, dass hier sicherlich der perfekte Ort für eine Gastronomie ist. Nach unserer Recherche im Internet wurden wir beim Lesen einer Anzeige der Gemeinde Kressbronn in der AHGZ bestätigt. Am 01.01.2018 haben wir uns dann tief in die Augen geschaut und beschlossen uns zu bewerben.

Es folgte ein aufwendiges Bewerbungsverfahren, welches mit der Unterschrift unter dem Pachtvertrag im Herbst 2018 für uns erfolgreich endete.  

 

Du und Julius seid Ingenieure und nun bald Gastronomen – jetzt musst du mir erklären, wie es zu diesem Berufs- und Sinneswandel gekommen ist.

[Emanuel] Bereits unsere Omi hatte als Jugendliche im schwäbischen Naherholungsgebiet in der elterlichen Pension am Kieselhof bei Murrhardt und später mit dem Start einer Pension am Bodensee, heute ein kleiner privater Ferienwohnungsbetrieb, Ihre Leidenschaft für Touristen und Gäste gelebt.


"Bereits als Kinder standen wir mit unserer Omi oder auch mit unserer Mama in der Küche um Spätzle zu schaben, den Kochlöffel zu schwingen oder Kuchen zu backen." (Julius Unser)


Natürlich haben wir in dieser Zeit auch alle örtlichen Kochkurse besuchen „müssen“ bzw. dürfen. Zu guter Letzt hat der geradlinige Weg unseres grossen Bruders Johannes, der sich zum Koch hat ausbilden lassen, über verschiedene Stationen in der Gastronomie zum selbstständigen Restaurantbetreiber, auch bei uns das Feuer für diese Branche entfacht. Der Traum, einen gemeinsamen Betrieb zu führen, geht nun in Erfüllung.

 

Auf dem Werftareal soll ein so genannter Marktplatz entstehen, der abwechslungsreicher nicht sein könnte. Was wird hier dem Gast alles angeboten?

[Julius] Unser Anspruch ist es das vorhandene Angebot zu erweitern und zu bereichern. Hierzu setzen wir sehr stark auf die Region und die Produkte, welche aus der Bodenseeregion hervorkommen. Neben leckeren Äpfeln und Hopfen, gibt es hier ausgezeichnete Winzer, sensationelle Biere, tolle Gemüsebauern und Höfe, die sich der Viehzucht angenommen haben. Wir planen ein ganzjähriges Speiseangebot, wo sich jeder wiederfindet und reichern dieses mit den Produkten an, die gerade in der Region verfügbar sind. Dieses regionale Angebot erfahren unsere Gäste als Tischempfehlung persönlich vor Ort. So machen wir unseren Gästen die Leistungsfähigkeit unserer schönen Bodenseeregion zugänglich.


"Speziell in der Werft lege ich Wert darauf, dass sich die heimischen Gäste in unserer Speisekarte wiederfinden; gleichzeitig aber auch den WOW-Effekt erleben." (Johannes Unser)


Du bist gelernter Koch, Johannes - Wie würdest du deine Kochphilosophie beschreiben und auf was legst du besonders Wert in deiner Küche?

Für mich ist Kochen eine Mischung aus Handwerk und Kunst. Auf regionale und frische Produkte zu setzen, ist für mich ebenso selbstverständlich, wie eine ausgewogene

Speiseauswahl anzubieten.

Bereits als Kinder haben wir von unserem Papa im Gemüsegarten gelernt, welche Arbeit der Anbau von Gemüse und Obst bedeutet. Gelernt haben wir von ihm aber auch wie Qualität und wie Frische schmeckt. Speziell in der Werft lege ich Wert darauf, dass sich die heimischen Gäste in unserer Speisekarte wiederfinden gleichzeitig aber auch den WOW-Effekt erleben.

 

Innovative Aspekte und internationale Einflüsse werden die klassischen schwäbischen Gerichte in neuem Glanz scheinen lassen. Wir kochen täglich frisch, produzieren selbst und freuen uns darauf das hiesige Angebot für unser Restaurant zu nutzen.

 

Ich betrete als Gast die Werft1919 und freue mich auf einen kulturellen und gastronomischen schönen Abend – mit welchem Erlebnis wollt ihr mich überraschen, so dass ich als wiederkehrender Gast zu euch komme?

[Emanuel] Idealerweise besuchst du dann einen unserer Kleinkunstabende. Doch bevor du das Konzert, die Theateraufführung oder den Auftritt eines Comedian geniessen wirst, empfiehlt es sich in unserem Restaurant zu Speisen und sich von uns kulinarisch verwöhnen zu lassen.


"Wir kochen täglich frisch, produzieren selbst und freuen uns darauf das hiesige Angebot für unser Restaurant zu nutzen." (Johannes Unser)


In der Pause kannst du dann mit Blick auf den Bodensee deinen Drink geniessen und im

Anschluss daran den Abend gemütlich an unserer Bar ausklingen lassen.

Selbstverständlich kannst du auch an einem anderen Tag zum Essen kommen und an einer unserer Drehbänke Platz nehmen und im nostalgischen, industriellem Flair unser Angebot mit Blick auf den Bodensee geniessen. Wie hört sich das an für dich?

 

Ihr führt das Konzept "Werft 1919" gemeinsam. Welche Aufgaben werden von wem betreut? Wie teilt ihr euch auf?

[Emanuel] Wir sind drei gleichberechtige Teilhaber. Auf Grund der Tatsache, dass Johannes sein

Restaurant „Amarone“ und sein Catering unter dem Namen „JUr Event“ in Vaduz, Liechtenstein weiter betreiben wird, stehen in der Werft Julius und ich an der Front.

Johannes ist unser gastronomisches Hirn. Er definiert das gastronomische Konzept und begleitet uns dabei es umzusetzen. Im Hintergrund ist Julius für die Logistik, das Lager, die Instandhaltung und technische Themen verantwortlich. Johannes, wie bereits verdeutlicht, für die gastronomischen Konzeption.

Ich bin verantwortlich für die Bereiche Personal und Vertrieb. Täglich vor Ort werden Julius und ich als Gastgeber für unsere Gäste und unsere Mitarbeiter da sein.

 

Was plant ihr zur Eröffnungsfeier im Sommer 2020?

[Julius] Im Sommer 2020 werden wir eher leise aufmachen. Heisst konkret, dass wir diesen Sommer keine grosse Eröffnungsveranstaltung planen.


"Uns erfüllt es jeden Tag mit Freude, wenn wir beim Bäcker oder im Gespräch mit den Einheimischen hören, dass die Eröffnung mit Spannung erwartet wird." (Emanuel Unser)


Es gibt dann einfach einen Tag im August, ab dem wir täglich für unsere Gäste da sein

werden. Die grosse und offizielle Feier findet erst im Mai 2021 statt und schliesst das gesamte Bodan-Areal inklusive der dort ansässigen Einzelhändler und eines weiteren Gastronomie-betriebes ein. Gemeinsam werden wir ein buntes Programm auf die Beine stellen und es dann richtig krachen lassen.

  

Abschliessend möchte ich von jedem von euch gerne wissen, auf was ihr während des gesamten Prozesses – als von der Projektierungs-, Konzept-, Umbau- bis zur Eröffnungsphase – besonders stolz seid.

[Emanuel] Es gibt für uns alle nicht das „Eine“, auf das wir besonders stolz sind. Stolz sind wir, dass wir das Bewerbungsverfahren gewonnen haben und empfinden es als grosse Ehre in diesem geschichtsträchtigen Objekt ein neuartiges Gastronomiekonzept unter dem Namen „Werft1919“ für die Bodenseeregion zu eröffnen.

 

Uns erfüllt es jeden Tag mit Freude, wenn wir beim Bäcker oder im Gespräch mit den Einheimischen hören, dass die Eröffnung mit Spannung erwartet wird. Der Zuspruch und die

Unterstützung etwas Neues zu wagen, ist sehr gross.

Stolz macht es uns aber auch, dass wir als Brüder-Trio sehr gut harmonieren. Auch wenn in den Entscheidungsfindungen immer wieder Diskussionen geführt werden, so finden wir immer zu einem gemeinsamen Konsens mit der besten Lösung für die Werft1919. Diese Fähigkeit verdanken wir unseren Eltern und deren Erziehung. Darauf sind wir stolz.

 

Ich danke euch dreien sehr herzlich für eure Antworten und wünsche euch viel Glück und Erfolg mit eurer "Werft1919"! Ich freue mich, wenn aus dem "virtuellen" ein reeller Kaffee wird. Ich bin nun wirklich selber sehr neugierig auf euer Konzept und komme bestimmt zu Besuch vorbei - versprochen!

Neugierig auf die Bodenseeregion?

Ein Kaffee mit Sandro Brotz, SRF Journalist & Moderator der "Arena"

Glück ist etwas sehr intimes und privates

Sandro Brotz (Bild: Simone Jacober)
Sandro Brotz (Bild: Simone Jacober)

Es ist ein Montagabend, an welchem ich Sandro Brotz im Bistro Perron 9 in Zürich Oerlikon treffe.

 

Es ist ziemlich laut in der Lokalität und so organisiert der grossgewachsene Moderator kurzerhand das gemütliche "Piano Stübli" gleich neben dem gut besuchten Café. Der Geräuschpegel ist fast nur noch Hintergrundgemurmel; perfekte Atmosphäre, um dem bekannten Arena-Moderator entspannt gegenüber zu sitzen und zunächst locker über Weihnachten, Ferien und die Rückkehr in den Alltag zu plaudern.

Alsbald schalte ich freudig mein Aufnahmegerät ein und beginne Sandro meine Fragen zu stellen.

Wenn du persönlich in der Arena ausführen müsstest, was Nachhaltigkeit für dich bedeutet, was wäre deine Antwort?

Eine fiktive Frage, da ich ja Moderator dieser Sendung und auch parteilos bin. Aber Nachhaltigkeit war und ist mir lange bevor es zu einem Modewort wurde, ein Anliegen. Es geht für mich über die politische Diskussion hinaus und ist für unser Leben sowie für die Welt ein grosses Thema.

 

Was tust du persönlich für den Umweltschutz?

Da unterscheide ich mich wohl kaum von den meisten Schweizerinnen und Schweizern: Ich trenne den Abfall, benutze möglichst wenig Plastiksäcke beim Einkaufen und ich fahre kein

Auto – wobei ich hier zugeben muss, dass es wohl für alle Verkehrsteilnehmenden besser ist, dass ich nicht fahre, da es mir nicht so liegt (schmunzelt).

Ich bin sehr gerne mit dem öffentlichen Verkehr und meinem Velo unterwegs und würde ein Auto in der Region Zürich auch gar nicht brauchen.

Zudem versuche ich auch meine Flugreisen vorausschauend zu planen und zu minimieren – das gelingt mir mal besser, mal weniger gut. Ich kaufe mein Ticket aber immer mit dem Zuschlag der CO2-Abgabe.

"Bildung ist unser höchstes Gut, zu dem wir Sorge halten müssen." (Sandro Brotz)

Ich habe einige Beiträge von dir an Bildungsmessen gesehen, in denen du jungen Menschen Red' und Antwort stehst. Warum engagierst du dich so stark für Bildung?

Ich erhalte relativ viele Anfragen für Podien, Ausstellungen und anderweitige Anlässe. Ich

gehe sehr selektiv vor und engagiere mich ausschliesslich für Themen, die mir persönlich auch ein Anliegen sind. Bildung ist unser höchstes Gut, zu dem wir Sorge halten müssen. An solch einem Anlass erinnere ich mich immer wieder an mich als Jugendlicher, der sich für eine berufliche Laufbahn entscheiden musste – ein ziemlich schwieriger Entscheid in diesem Alter.

 

Ich finde Berufsmessen eine ganz tolle Sache; insbesondere, dass Jugendliche solche Anlässe nutzen und sich aktiv informieren. Ich erzähle dann gerne, wie ich damals selbst vorgegangen bin.

Ich habe das KV absolviert und ich weiss, was es heisst, eine Lehrstelle zu finden und seinen Weg zu beschreiten.  

 

Ich habe gelesen, dass du bei deiner Lehrstellensuche sehr hartnäckig warst, weil du unbedingt zu einer Zeitung wolltest – das war sicherlich auch prägend, oder?

Ja klar! Insbesondere, weil mir oft gesagt wurde, dass ich ohne einen akademischen Hintergrund eher Schwierigkeiten haben würde Fuss im Journalismus zu fassen. Aber

interessanterweise hat mich dies eher angespornt als abgeschreckt, weil es mir eine Herzensangelegenheit war – ich wollte Journalist werden. Diese Botschaft gebe ich heute den Jugendlichen an den Berufsmessen weiter: Wenn du dich für eine Richtung interessierst, dann bleib dran und gib nicht auf. Wichtig ist ja auch zu wissen, dass man heute nicht sein ganzes Berufsleben lang den gleichen Job ausübt – Stichwort Digitalisierung.

"Ich wollte immer selber verstehen, warum etwas so ist, wie es ist." (Sandro Brotz)

Jetzt muss ich aber nochmals etwas nachfassen: woher kam denn dieser klare Wunsch Journalist zu werden?

Ich wollte immer selber verstehen, warum etwas so ist, wie es ist. Ich habe als Jugendlicher den "Spiegel", den mein deutschstämmiger Vater abonniert hatte, regelrecht verschlungen. Das war damals mein Tor zur Welt der Politik, zu fremden Ländern. Aber auch meine unmittelbare Umgebung hat mich geprägt: Ich bin in Zürich Oerlikon aufgewachsen, nicht weit von hier, und der Schweizer Schriftsteller Franz Hohler wohnte quasi um die Ecke in einem sehr speziellen

Haus mit einem verwunschenen Garten. Ich habe damals immer gehofft, dass ich ihm über den Weg laufe und mich mit ihm in eben diesem verwunschenen Garten über seine Bücher unterhalten könnte. Über 25 Jahre später habe ich ihn dann tatsächlich in seinem Garten zu einem Interview getroffen und konnte ihm all die Fragen, die ich als Kind hatte, stellen. Das war eine Art Zeitreise zurück in meine Jugend.

 

Steht in diesem Jahr eine Weiterbildung an?

Oh, noch so gerne – doch die Zeit fehlt im Moment. Im letzten Jahr habe ich einen

vierwöchigen Bildungsurlaub in Canterbury gemacht und habe mein Englisch wieder auf Trab gebracht. Beim SRF unterstütze ich angehende Journalisten und Journalistinnen zum Beispiel bei der Ausbildung in der Interview-Technik. Es ist schön, Wissen weitergeben zu können.

 

Wenn ich aber einen Wunsch äussern darf, so würde ich gerne Italienisch lernen. Das wäre super! 

 

…aber ich dachte, du hättest Tessiner Wurzeln?

Tja, das ist ja das Paradox (lacht). Meine Grosseltern stammen aus dem Tessin, korrekt. Meine Eltern sind jedoch ein Jahr nach meiner Geburt von Mendrisio weg in die Deutschschweiz gezogen und haben leider nie mit mir Italienisch gesprochen.

Doch das Privileg meines Jobs ist, dass ich mich jede Woche mit neuen Themen auseinandersetzen darf, mich einlesen und mit vielen Menschen sprechen kann. Mein Credo lautet, dass man nicht alles wissen muss, aber wissen sollte, wer eine gute Informationsquelle sein könnte, damit man die Wissenslücken schliessen kann. Ich habe mir über die Zeit ein sehr gutes Netzwerk aufgebaut und kann gezielt auf Leute zugehen, wenn ich beispielsweise etwas über Religionswissenschaften oder Wirtschaftsfragen in Erfahrung bringen möchte. Aber auch privat habe ich Menschen als verlässliche Beraterinnen und Berater um mich.

Ich möchte nun gerne von den offizielleren Themen wegschwenken und den Scheinwerfer auf dich lenken. Wenn du das Rad der Zeit nochmals zurückdrehen könntest, was würdest du ändern und was definitiv nicht?

 

An mir selber? (denkt nach) Jeder Mensch hat wohl seinen Rucksack zu tragen. Vielleicht hatte ich in der Vergangenheit zu wenig Zeit für andere Menschen, habe zu viel gearbeitet oder habe mich zu wenig um etwas bemüht.

"Ich lebe stark im Hier und Jetzt und blicke gerne nach vorne." (Sandro Brotz)

Das sind sicherlich Aspekte, was ich mir privat etwas vorhalten muss. Aber man lernt ja auch aus solchen Situationen und Momenten. Ich lebe jedoch nicht rückwärtsgerichtet. Darum ist das mit dem Rad zurückdrehen eine schöne, aber illusorische Vorstellung. Ich lebe stark im Hier und Jetzt und blicke gerne nach vorne.

 

Man kennt dich als toughen, konzentrierten und pointierten Moderator. Wie beschreibst du dich privat, wen die Kamera ausgeschaltet ist?

 

(Lacht) Hmmm, ich glaube, da müsstest du Menschen fragen, die mich aus Zeiten kennen, als ich noch nicht vor der Kamera stand. Ich meine, dass ich mich nicht gross verändert habe, weil ich eine quasi-öffentliche Person geworden bin. Natürlich prägt dieser Umstand. Ich habe vermutlich ein grösseres gesundes Misstrauen entwickelt. Dies aus dem Grund, da nicht immer

ersichtlich ist, warum jemand auf mich zukommt: geht es wirklich um mich als Person oder um mich in meiner öffentlichen Rolle? Der Austausch mit dem Publikum ist mir jedoch sehr wichtig – das geschieht täglich und motiviert auch für meine Arbeit, die ohne ein grandioses Team im Hintergrund nicht möglich wäre.

"Der Austausch mit dem Publikum ist mir sehr wichtig." (Sandro Brotz)

Ich bezeichne mich als einen harmoniebedürftigen Menschen. Wenn ich rund um die Uhr wäre, wie damals, als ich noch die "Rundschau" moderiert habe, dann wäre es wohl für mein Umfeld äusserst schwierig geworden. Das ginge definitiv nicht (lacht). Ich diskutiere unglaublich gerne…

 

…und du liest auch sehr gerne?

…ja, ich versuche es. Aber halt mehr die tagesaktuellen Medien. Ich habe zu Hause einen Stapel

Bücher liegen, um diese zu lesen, finde ich aber momentan aus Zeitgründen leider keine Musse.

 

Kürzlich habe ich einen Beitrag gesehen, in welchem du in einem informellen Rahmen mit Gästen über das Thema Glück gesprochen hast. Dieser Beitrag hat mich sehr berührt, da unter anderem ein Verkäufer des Strassenmagazins "Surprise" zugegen war. Deshalb möchte ich nun von dir wissen, was dir Glück bedeutet und was dich im Alltag glücklich macht?

(Überlegt) Den Strassenverkäufer des Magazins "Surprise" habe ich in einem anderen Rahmen kennengelernt, als er zum Jubiläum des Magazins gesprochen hat. Ich wusste in diesem Moment, dass ich ihn unbedingt für ein Gespräch einladen wollte, damit meine Gäste und

Zuschauer seine persönliche Geschichte erfahren. Und natürlich setzt sich dieser Mann ganz anders mit dem Thema Glück auseinander, als wir es wohl tun würden.

 

Darum ist Glück wahrscheinlich etwas anderes für dich, für mich oder eben den  Strassenmagazinverkäufer. Für mich bedeutet Glück, wenn ich für andere Menschen da sein kann, wenn es meinem Umfeld gut geht. Gute Diskussionen. Oder wenn ich auf einen See blicken kann – dann bin ich glücklich. Und das merke ich auch. Solche Momente des Glücks sind mir wichtig.

Beruflich empfinde ich Glück etwas anders – ich habe Freude, wenn mir und dem Team eine Sendung geglückt ist. Glück ist etwas sehr Intimes und Privates und hat für mich etwas

mit dem Herz zu tun: berührt etwas oder jemand mein Herz, empfinde ich Glück.

"Für mich bedeutet Glück, wenn ich für andere Menschen da sein kann, wenn es meinem Umfeld gut geht. Gute Diskussionen." (Sandro Brotz)

Meine abschliessende Frage ist sehr spontan während unseres Gesprächs entstanden: Du sprachst von Büchern, die du im Moment aus Zeitgründen nicht lesen kannst. Welches Buch liegt zuoberst auf deinem Nachttisch?

Ernest Hemingway – "Paris" Es war ein Geschenk. Die Person, die mir das Buch schenkte, meinte, ich solle es lesen, wenn ich mehr von der Leichtigkeit des Seins verstehen möchte. (lächelt)

 

Wenn du es gelesen hast, freue ich mich von dir darüber zu hören. In diesem Sinne danke ich dir sehr herzlich für deine Zeit, die du mir geschenkt hast, Sandro!

 

Gerne! Und danke dir für das Gespräch.

Zur Person

Sandro Brotz ist Schweizer Journalist und Fernsehmoderator. Von 2012 bis 2019 moderierte er die "Rundschau", eine Politik- & Wirtschaftssendung des Schweizer Radio und Fernsehen, SRF. Seit Mai 2019 ist er Gastgeber und Moderator der SRF Diskussionssendung "Arena", die mit geladenen Gästen zu aktuellen wirtschaftlichen, innen- und gesellschaftspolitischen Themen Stellung bezieht.


Ein Kaffee mit Sarah Kummer - 365-Tage-Weihnachtsfan

Von Adventskalendern, Grittibänzen, Guezliduft und Weihnachtszauber - Das ganze Jahr in Weihnachtsstimmung

 

Es ist ein kühler Dienstagabend im November. Mich friert es; Sarah ist happy! Sie liebt die kühle Jahreszeit ganz besonders, denn es ist "ihre" Jahreszeit - die Adventszeit und somit Weihnachten rücken näher.

Ich bin froh, habe ich einen mich wärmenden Kaffee vor mir - wohlgemerkt den Season Special von Starbucks, den "Christmas Latte". Wie passend, befinden wir beide, denn ich werde Sarah zu ihrer Lieblingsjahreszeit ausfragen - also, das Aufnahmegerät angestellt und Sarah meine brennendsten Fragen gestellt!

Lasst euch vorweihnachtlich von ihr einstimmen.

Als erstes muss ich dich direkt fragen, ob du den Sommer nicht magst?

Hättest du mir diese Frage vor fünf Jahren gestellt, hätte ich diese bejaht. Mittlerweile bin ich etwas älter geworden und ich schätze die Natur und das Leben mehr. Somit gibt es für mich durchaus gute Aspekte, die für die Sommerzeit sprechen – ich liebe die Vielfalt an frischen Früchten, dass es abends länger hell ist, dass man länger draussen sein kann; ich liebe auch das

Grillen. Was ich bis heute absolut nicht mag, ist die Hitze, weil ich sie nicht vertrage und so halte ich mich im Hochsommer am liebsten in einem klimatisierten Raum auf.

 

Woher kommt deine Begeisterung für den Weihnachtszauber?

Ich weiss es um ehrlich zu sein gar nicht so recht – es liegt nicht in der Familie. Ich kenne niemanden, der so wie ich eine Begeisterung für Weihnachten hat.

"Ich orientiere mich mit Begeisterung an der amerikanischen Weihnacht." (Sarah Kummer)

Ich habe aber mit meinem Interesse für Weihnachten viele Menschen in meinem Umfeld schon anstecken können. Ich glaube, es sind die wunderschönen Erinnerungen an meine Kindheit; die Gedanken, in denen ich sehr gerne verweile. Und zudem orientiere ich mich mit Begeisterung an der amerikanischen Weihnacht. Dort wird dieses Fest um einiges grösser und kitschiger inszeniert als hier – und das mag ich (lacht).

 

Gibt es ein Rezept, das du besonders mit Weihnachten und der Weihnachtszeit verbindest?

Wenn du damit meinst ein besonderes Gericht oder Getränk, nein, nicht wirklich. Wir haben auch in der Familie kein traditionelles Weihnachtsessen.

"Ich bastle mit Leidenschaft Adventskalender." (Sarah Kummer)

Wenn, dann würde ich am ehesten die feinen Guezlis und Grittibänze von meinen Grossmüttern mit weihnachtlichen Rezepten in Verbindung bringen. Aber mein eigenes "Rezept" hat nichts mit einem kulinarischen Rezept zu tun: ich bastle mit Leidenschaft Adventskalender – das ist mein persönliches Rezept, das ich mit der Weihnachtszeit in Verbindung bringe. Die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest so zu sagen.

 

Ab wann fängt bei dir die Weihnachtszeit an und wie stimmst du dich darauf ein?

(Lacht) Also die Weihnachtszeit beginnt für mich schon weit vor der Adventszeit. Ich verschenke am liebsten selber gemachte Kalender. Darum habe ich auch nicht die klassisch grossen Geschenke, die ich überreiche. Ich bastle also das Jahr über an meinen Kalendern und ab Dezember, wenn die eigentliche Weihnachtszeit beginnt, habe ich Zeit, diese auch so richtig zu geniessen. Ab dem 1. Dezember zelebriere ich diese Zeit: ich stehe jeden Morgen rund 15 Minuten früher auf, um meine rund 12 Adventskalender aufzumachen (lacht).

 

Huch, jetzt muss ich direkt nachfragen: du selber hast für dich 12 Adventskalender zum Türchen öffnen?

Ja. Genau. Also, wenn ich Glück habe (lacht). Da ich selber schon über die Jahre fleissig Adventskalender verschenkt habe, werde auch ich ab und zu mit einem beschenkt. Tja, und so

können es bis zu 12 Kalender sein, über die ich mich in der Adventszeit freuen kann.

 

Du hast einen wunderschönen Instagram Account "@leavesandsnowflakes" mit über 1'600 Abonnenten. Was macht deinen Account so speziell?

Ich glaube, mein Hauptrezept ist, dass es mir persönlich nicht um Follower geht.

"Die Leidenschaft für die kälteren Jahreszeiten steht für mich im Vordergrund." (Sarah Kummer)

Ich würde mich auch nicht als erfolgreich bezeichnen und ich messe mich nicht mit anderen Accounts. Die Leidenschaft für die kälteren Jahreszeiten steht für mich im Vordergrund. Ich bin der Meinung, dass ich mit meiner Leidenschaft die Menschen inspiriere und Gleichgesinnte anspreche – ich bin nicht oberflächlich, sondern ich lebe meine Begeisterung für Weihnachten,

Herbst und Winter. Und das steckt offensichtlich an (lacht).

 

Du hast diese Frage fast schon beantwortet – bastelst du in der Adventszeit überhaupt (noch)?

In der Adventszeit selber eigentlich nicht mehr – meine Adventskalender sind ja vorher fertiggestellt. Mit dem eigentlichen Basteln beginne ich bereits um die Osterzeit (lacht). Ich verpacke höchstens noch ein paar Geschenke oder bastle ein paar Weihnachtskarten selber.

"Für mich bedeutet Zeit für sich, seine Familie und Freunde zu haben, sehr viel und das ist für mich das Wichtige." (Sarah Kummer)

Magst du meinen Lesern deinen Geheimtipp für eine inspirierende und leuchtende Weihnachtszeit verraten?

Für mich bedeutet Zeit für sich, seine Familie und Freunde zu haben, sehr viel und das ist für mich das Wichtige. Aus diesem Grund ist es mir jedes Jahr sehr wichtig, dass ich mich aus dem Geschenke-Stress rausnehme, weil Weihnachten für mich persönlich etwas anderes bedeutet, nämlich Zeit für sich selbst, Freunde und die Familie zu haben. Und ich habe mit meinen vielen

Adventskalendern ja auch gar keinen Grund Stress zu haben.

Übrigens heisst ein Kalender mit 24 Türchen nicht, dass sich hinter jedem der 24 Türchen ein

gekauftes Geschenk verbirgt. Es können zum Beispiel auch Texte, Lieder oder Bilder sein.

Wenn ich selber ein Türchen meiner Kalender öffne, ist das für mich immer ein besonderer Moment zu Beginn eines jeden Tages. Ich geniesse ihn regelrecht. Ich nehme das Geschenk eines jeden Kalendertürchens, in welcher Form auch immer, zum Beispiel einen Spruch, gedanklich in meinen Tag mit. Ich denke gerne darüber nach. In hektischen Momenten erinnere ich mich an genau diesen Spruch und entspanne mich kurz über meinen Gedanken.

 

Ich liebe es wie gesagt den Moment zu geniessen, vielleicht mit einer heissen Tasse Tee, eine Kerze anzuzünden, draussen dem Schnee zuzuschauen oder einen Weihnachtsfilm zu schauen. Wichtig ist mir, dass ich diese kleinen Inseln jeden Tag für mich einplane. Ich mag es auch mich mit Freunden in der Stadt zu verabreden, den Lichterglanz anzuschauen und zu geniessen oder

einen Spaziergang draussen an der frischen Winterluft zu machen. Und am Wochenende backe ich gerne einen Grittibänz oder Guezli. Das sind meine Gedanken zur weihnachtlichen Inspiration.

 

Ich danke dir sehr herzlich für deine Zeit und das vorweihnachtliche Gespräch!

Ein Kaffee mit Simone Eppler, Wortheldin - Beratung & Coaching für nachhaltige Start-Ups

Eine gerechtigkeitsliebende Enablerin mit starken, nachhaltigen Visionen

 

 

Ich treffe Simone (Simi) Eppler an einem kühlen Herbstabend in Zürich im Café & Bar Sphère. Ich möchte sie nicht nur zum Thema Nachhaltigkeit, Mut, Women in Business, Träume & Visionen ausfragen. Simi und ich werden zukünftig gemeinsam nachhaltige Projekte in Angriff nehmen und auf unseren Blog vorstellen.

 

Ich freue mich sehr, dass ich euch diese inspirierende, engagierte und fröhliche Frau vorstellen darf.

Wenn du deinen Blog einer unbekannten Person vorstellen würdest, was wären deine Worte?

Ich möchte Unternehmerinnen und Unternehmen mit Nachhaltigkeits-Fokus eine Plattform bieten, so dass sie sich einem grösseren Publikum zeigen können. Dass sie erfolgreicher sein aber auch – und das ist mir ganz wichtig – dass sie andere inspirieren können. Ich wünsche mir, dass meine Interviews mit meinen inspirierenden Gesprächspartnern eben auch andere Leser

auf neue Ideen bringen. Ich möchte mich auch an der nachhaltigen Bewegung beteiligen.

"Wortheldinnen und Worthelden vermögen es mit ihren Worten unter Umständen ganze Berge zu versetzen." (Simone Eppler)

Und natürlich wäre es schön, wenn die Leute umdenken und das eine oder andere Produkt, das ich auf meinem Blog beschreibe, auch kaufen würden und sich vom Gedanken der Nachhaltigkeit überzeugen lassen. Wenn ich das erreiche, bin ich glücklich.

 

Was macht für dich eine Wortheldin aus?

Wortheldinnen und Worthelden vermögen es mit ihren Worten unter Umständen ganze Berge zu versetzen. Sie bringen andere zum Umdenken. Sie beflügeln und regen an, dass andere vieles in ihrem Leben verändern oder überdenken. Sie finden vielleicht auch Worte für Menschen, die weniger gehört werden. Oder die richtigen Worte nicht selber finden können. Und sie helfen anderen für ihre Anliegen die richtigen Worte zu finden, überhaupt einmal Gedanken in Worte zu fassen. Und letztendlich sind Wortheldinnen und Worthelden eine Art Enabler, sie beflügeln. Sie sind vielleicht etwas mehr im Hintergrund als z.B. Pioniere, die nach vorne preschen; aber sie geben diesen Pionieren einen Schub und werden selber zu Helden, die etwas bewegen.

 

Du setzt dich sehr stark für Nachhaltigkeits- und Umweltthemen ein und möchtest mit deinen Interviews Start-Ups unterstützen, sichtbar zu werden, um ihre Idee des nachhaltigen Wirtschaftens öffentlich zu machen. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Hier muss ich vielleicht noch eine erklärende Bemerkung einbringen: Im Moment möchte ich für Unternehmerinnen und Unternehmen da sein, um ihnen eine Bühne zu geben, gehört und wahrgenommen zu werden. Ich möchte sie aber auch in einem nächsten Schritt bei der Ausarbeitung von Kommunikationsstrategien unterstützen, dass sie sich selber quasi die Bühne

noch etwas prominenter geben können.  

"Es ist mir ein ganz grosses Anliegen, dass ich Unternehmen unterstütze, die meinen Werten entsprechen." (Simone Eppler)

Aber du hast mich gefragt, wie ich auf meine Idee gekommen bin: Es war schon lange mein Traum mich in der Kommunikation, der Kommunikationsberatung aber auch der Strategieberatung zu etablieren und mich selbständig zu machen, weil mich das total fasziniert. Ich hatte aber immer Mühe mit dem "wem helfe ich"? Es ist mir ein ganz grosses Anliegen,

dass ich Unternehmen unterstütze, die meinen Werten entsprechen. Und meine Werte liegen ganz klar im Bereich der Nachhaltigkeit, des Sozialen aber auch des Wirtschaftlichen und des Ökologischen. Und eben auch ein guter, rücksichtsvoller Mensch zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich Firmen unterstützen werde, die "greenwashen" oder sich einfach gut

darstellen wollen und gleichzeitig die Umwelt verpesten und Menschen ausbeuten.

 

Deshalb habe ich sehr lange an meiner Vision gebastelt, mir nochmals vor Augen geführt, was eigentlich meine gelebten Werte sind, wovon ich träume und dann merkte ich plötzlich, dass ich mir eine Welt wünsche, in der es überhaupt keine Frage ist, ob man nachhaltig lebt. Es gehört in meiner idealen Welt einfach zur Normalität und zum Selbstverständnis, dass man auf die Umwelt achtet und nicht auf dem Rücken anderer wirtschaftet. Deshalb möchte ich

Unternehmen aber auch durchaus Projekte mit all meinen Fähigkeiten, Talenten und meinem Wissen unterstützen, damit sie ihre nachhaltigen Ziele erreichen.

Zusätzlich hat mir sicher auch geholfen, dass ich mich bemühe etwas nachhaltiger zu leben und bin derart auf Onlineshops oder Projekte aufmerksam geworden.

"Die Leute wollen einerseits nachhaltiger leben; kennen aber andererseits die Mechanismen oder die Anlaufstellen gar nicht." (Simone Eppler)

Wenn ich mich mit meinem Umfeld über diese Shops oder Projekte ausgetauscht habe, stellte sich interessanterweise heraus, dass fast niemand Kenntnis und Wissen dazu hat. Die Leute wollen einerseits nachhaltiger leben; kennen aber andererseits die Mechanismen oder die Anlaufstellen gar nicht. Und plötzlich fügten sich die Puzzleteile zusammen: da gibt es noch nicht so bekannte, nachhaltige Läden und Projekte, die ich mit meinen  Kommunikationskompetenzen zu Wort kommen lassen kann. Ich biete also eine Plattform – ich möchte die Menschen, die sich mit einem nachhaltigen Business selbständig machen, kennenlernen und ich möchte andere und letztendlich mich selber damit inspirieren. Und lustigerweise bin ich so wie du Anfang 2019 mit meinem Blog live gegangen und habe einfach mal angefangen.

 

In diesem Interview bist du meine Wortheldin – wer ist Simone Eppler?

Ich war und bin im Grunde eine Weltverbesserin. Ich bin eine Idealistin und habe einen sehr feinen Sinn für Gerechtigkeit oder eben Ungerechtigkeiten auf dieser Welt. Es war mir schon immer ein Anliegen anderen zu helfen.

"Ich war und bin im Grunde eine Weltverbesserin." (Simone Eppler)

Andere weiterzubringen, zu sehen, wie sich etwas zum Guten verändern kann. Ich möchte eine Enablerin sein – ich biete anderen einfach gerne meine Hand an und führe sie dort hin, wo sie eigentlich hinmöchten, weil sie es vielleicht in diesem Moment nicht sehen. Das zeigt sich übrigens auch stark in meiner beruflichen Laufbahn: Es gab stets eine beratende Komponente.

 

Träume sind dazu da, dass man sie umsetzt. Welchen Traum würdest du gerne realisieren?

Ich träume von vielem (lacht). Aber umsetzen möchte ich tatsächlich meine Selbständigkeit. Ich liebe meinen Job und finde es auch super im Angestelltenverhältnis zu sein und ich möchte

das auch sicher noch ein Weilchen so belassen. Aber mein Traum ist mein selbständiges Wirken und zwar ortsunabhängig. Ich möchte mit ganz spannenden Menschen  zusammentreffen und zusammenarbeiten. Und gleichzeitig träume ich auch davon mit anderen Menschen ein Netzwerk aufzubauen, in dem man zusammen kollaboriert, miteinander noch grösseres erreicht.

 

Du hast mir jetzt das Stichwort Netzwerk gegeben: Schreibatelier & Wortheldin – wenn du nach vorne blickst, was wünschst du dir von unserer Zusammenarbeit?

Ich finde, wir ticken sehr ähnlich. Ich stelle mir vor, dass wenn wir ein Projekt gemeinsam anpacken, dass dies nur gut werden kann. Und ich hoffe, dass es auch für andere sehr inspirierend sein wird. Und apropos Netzwerk: ich habe zudem auch das Gefühl, dass unsere Kontakte, die wir aufgebaut haben, sehr gut zusammenpassen; ich bin sogar der Meinung, dass wir das zukünftig erweitern können – durchaus auch mit neuen, gemeinsamen Kontakten. Ich glaube an die positive gegenseitige Verstärkung, denn unsere Träume und Visionen überschneiden sich in vielen Bereichen. Ich freue mich! (lacht herzlich)

 

Ich freue mich auch sehr auf unsere gemeinsamen Projekte, liebe Simi, und danke dir sehr herzlich für deine Zeit und das Gespräch.

Zur Person

Simone Eppler

Wortheldin - Beratung & Coaching für nachhaltige Start-Ups

Instagram: @_wortheldin_

Ein Kaffee mit Rosine Dätwyler, Inhaberin Maykosmetik Aarau

Kosmetik und Schönheit sind ihre Leidenschaft

 

Es ist ein wunderbarer Herbstabend in Aarau. Ich freue mich, dass ich in dieser schönen Stadt eine spannende Frau zum Interview treffen darf: Rosine Dätwyler ist zu vorgerückter Stunde noch hochkonzentriert bei der Arbeit und beendet gerade eine Schulung mit einer externen Kundin.

Eine kurze Verschnaufspause und sie ist erneut konzentriert auf meine Fragen eingestellt. Bei so viel Power kann ich gar nicht anders, als mit Freude mein Aufnahmegerät anzustellen und in die Welt von Rosine einzutauchen!

Seit 2009 führst du das Maykosmetik Oriental Day Spa & Medical Cosmetic im Herzen der schönen Aarauer Altstadt. Seitdem hat sich dein Institut nicht nur vergrössert, du bist auch Ausbildnerin und bildest dich selber ständig weiter. Ein Erfolgsrezept?

Das auf jeden Fall. Wir müssen uns in der Kosmetikbranche stets weiterbilden, da es sich um eine sehr schnelllebige Branche handelt. Tun wir das nicht, kommt dies einem Stillstand gleich. Bei all den kosmetischen Neuerungen und dem starken Marktwandel müssen wir uns auf dem

Laufenden halten.

Darum ist es mir persönlich wichtig, dass ich mich regelmässig weiterbilde, das neue Wissen an meine Mitarbeitenden in Form von internen Schulungen aber auch Weiterbildungen vermittle. Zudem bilde ich ja auch Lernende in meinem Institut aus und ich merke, wie up-to-date die Jungen zum Beispiel im Bereich Social Media unterwegs sind – da lerne ich auch immer wieder sehr viel Neues und das motiviert mich enorm.

 

Du hast eine bewegende Biografie, die auch von Tele M1 im November 2015 aufgegriffen wurde. Wenn du zurückschaust, was und wer hat dich am meisten geprägt?

Hmm… also ich orientiere mich eigentlich nicht so stark an Personen. Wenn ich aber auf meine berufliche Laufbahn zurückblicke, dann war und ist bestimmt der Gründer der Kosmetiklinie Goldeneye, Holger Hoffmann, eine wichtige Bezugsperson für mich. Er hat mir von Anfang an das Gefühl gegeben, dass ich es mit Engagement und Fleiss schaffen kann in der Kosmetikbranche erfolgreich Fuss zu fassen und mich auch motiviert, einfach mal ins kalte Wasser zu springen.

"Die Sprache ist ein wichtiges Element, um in einer Kultur wertvolle Einblicke zu erhalten." (Rosine Dätwyler)

Es war damals ein beruhigendes Gefühl für mich ihn im Hintergrund zu wissen. Er ist bis heute ein wertvoller Mentor für mich und ich stehe auch voll und ganz hinter seiner Produktlinie.

Aber auch sonst prägt mich meine Vergangenheit: Ich habe im In- und Ausland, wie zum Beispiel in Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland gelebt bevor ich mich in der Schweiz niedergelassen habe und so zeichne ich mich auch durch meine Sprachkenntnisse aus. Die Sprache ist ein wichtiges Element, um in einer Kultur wertvolle Einblick zu erhalten.

 

Und somit bezeichne ich mich gegenüber anderen Kulturen als sehr offen. Ich muss aber auch betonen, dass ich bereits im jungen Alter nach Europa gekommen und aufgewachsen bin; trotzdem weiss ich, wo meine Wurzeln sind.  

 

Würdest du dich als mutige Person bezeichnen?

Ja, das auf jeden Fall. Denn ich handle nach dem Prinzip "was mich nicht umhaut, macht mich stärker". Ich möchte zu einem späteren Zeitpunkt nicht dastehen und mir sagen, warum ich etwas nicht versucht habe. Ich probiere gerne Neues aus. Diesen Mut möchte ich übrigens

auch meinen Kindern mit auf den Weg geben. Ich beobachte besonders bei meiner ältesten Tochter, dass sie eher etwas schüchtern ist und so ermutige ich sie einfach mal etwas zu wagen. Aufstehen kann man immer wieder (lacht).

 

Man liest heute immer wieder, dass Integration der Schlüssel zum Erfolg ist – und trotzdem treten die unterschiedlichsten Herausforderungen in diesem Bereich auf. Wie reflektierst du auf das Thema Integration?

Das ist mir ein ganz wichtiges Anliegen. Integration ist sehr wichtig, insbesondere, weil ich mich entschlossen habe, hier zu leben. Ich möchte mein Leben so gestalten, wie es hier stattfindet und nicht wie in Afrika. Ich möchte jedoch die goldene Mitte finden – mich in hiesige Gepflogenheiten integrieren, aber dennoch meine afrikanischen Wurzeln als Teil meines Ichs zum Ausdruck bringen.

"Integration ist sehr wichtig, insbesondere, weil ich mich entschlossen habe, hier zu leben." (Rosine Dätwyler)

Ich kombiniere zum Beispiel innerhalb meines Instituts beide Kulturen: wenn ich morgens ins Geschäft reinkomme, spürt man meine afrikanische Herkunft. Nicht jedoch bei den Geräten: dort achte ich auf top moderne Gerätschaften, welche zu 100% dem europäischen Standard entsprechen. Das verlangt auch meine Klientel. So habe ich beide Welten zusammengebracht (lacht).

 

Du hattest den Mut den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen, obwohl es in Aarau und Umgebung einige Kosmetikinstitute gibt – wie hast du dich auf diesen grossen Entscheid vorbereitet?

Wenn du einem Fremden die Einzigartigkeit von Maykosmetik näherbringen würdest, welche Worte würdest du wählen?

Zur Selbständigkeit bin ich eher unfreiwillig gekommen, denn ich musste die unschöne Erfahrung machen, dass ich aufgrund meiner Hautfarbe diskriminiert wurde. Als ich damals in Aarau im Angestelltenverhältnis anfing zu arbeiten und auch meine Vorschläge für ein erweitertes Behandlungsangebot eingebracht habe, stiess das auf taube Ohren und das zwischenmenschliche Verhältnis zu meinem Vorgesetzten war leider auch nicht das Beste.

"Ich liebe alles, was mit Schönheit zu tun hat." (Rosine Dätwyler)

Ich habe mich dann vor die Wahl gestellt: entweder drehe ich der Kosmetikbranche den Rücken zu, werde Hausfrau und gründe eine Familie und nehme irgendeinen Job an; oder ich setze meine eigene Geschäftsidee mit meiner persönlichen afrikanischen Note um und wenn die Kunden zu mir in Behandlung kommen, wissen sie, dass ich etwas Spezielles anbiete.

Zudem habe ich zu diesem Zeitpunkt auch sehr stark gemerkt, dass die Kosmetikbranche meine Leidenschaft ist. Ich liebe alles, was mit Schönheit zu tun hat. Dabei geht es aber nicht nur um die äusserliche Schönheit, sondern auch um das Tiefgründigere – die zufriedenen

Kunden, die nach einer Behandlung wieder glücklich und entspannt das Geschäft

verlassen.

Ich habe mir damals vorgenommen, dass die vielmals gestressten Kunden während meiner Behandlung abtauchen und mit einem Lächeln gehen können. Dieses Bild behalte ich mir stets vor Augen. Ich möchte den Menschen Stärke geben, Selbstwertgefühl und dass sie sich und ihr Äusseres wieder spüren. Ich möchte eine Oase der Ruhe sein – dazu gehören für mich eben auch Farben, Düfte und die Haltung, dass der Kunde bzw. die Kundin König/Königin

ist. 

Aber ja, ich gebe zu, dass der Zeitpunkt meiner Selbständigkeit – es herrschte Finanzkrise und ich hatte nicht sehr viel Erspartes mit meinen damals 23 Jahren – eher mutig war (lacht).

"Ich habe mich stets von anderen inspirieren lassen, schaue links und rechts, verlasse mich aber sehr auf mein Bauchgefühl und meine Vision." (Rosine Dätwyler)

Ich wollte aber an meiner Leidenschaft festhalten und habe Zuhause im kleinen Rahmen angefangen. Ich habe ganz stark an mich geglaubt und nie meine Vision aus den Augen verloren. Und so begann der Aufbau – mein Kundenstamm vergrösserte sich, ich habe Mitarbeitende angestellt, die ihrerseits wieder mit neuen Ideen und Inspirationen aufwarteten. Ich habe mich stets von anderen inspirieren lassen, schaue links und rechts, verlasse mich

aber sehr auf mein Bauchgefühl und meine Vision. Wenn ich mit meinem Herzen hinter dem stehe, was ich tue, denke ich, dass ich meine Mitarbeitenden mitreisse. Ganz wichtig ist mir, dass ich weiss, wer ich bin, was ich für Werte habe und wo meine Grenzen sind. Daran halte ich mich und dafür stehe ich auch ein.

 

Ich nehme dich als Powerfrau wahr: Selbständige Geschäftsführerin, dreifache Mutter, regelmässige Weiterbildungen für dich und dein Team und zudem bist du Ausbildnerin für angehende Kosmetikerinnen bzw. Kosmetiker. Dein Tag scheint sehr ausgefüllt – wie behältst du hier den Überblick und findest noch Zeit für dich?

(Lacht) Jetzt ist es noch "schlimmer"! ich bin seit Kurzem sogar auch noch Prüfungsexpertin für

Permanent Make-up für die eidgenössische Fachkommission. Ich habe meinen Wochenplan und lebe somit von Woche zu Woche. Diesen Wochenplan halte ich strikt ein, denn es gilt Familie, Geschäft, Weiterbildung, Ausbildung usw. unter einen Hut zu bringen. Es ist alles perfekt organisiert und durchgeplant. So wissen zum Beispiel meine Mitarbeitenden wann ich wo zu erreichen bin – wir haben verschiedene Gruppen-Chats – im Geschäft habe ich mittlerweile zwei Stellvertretungen, die eine Kollegin übernimmt das Oriental Day Spa und die

andere Kollegin das Medical Cosmetic, die mir unter anderem auch noch die Büroarbeit abnehmen. Zudem organisiere ich mit einer ausgelernten Kosmetikerin die Einsätze der Lernenden, so dass sie gemäss Ausbildungsplan arbeiten.

So stelle ich sicher, dass alles im Kosmetikstudio läuft und ich mich auf meine Zusatzfunktionen konzentrieren kann. Wir haben sogar einen Extra-Chat für Social Media; und alles, was dort besprochen wird, wird von drei Mitarbeitenden geposted. So kann ich die externen Schulungen und Kunden koordinieren, denn ich betreue ja nebenbei auch noch Pigmentisten und andere Kosmetikerinnen, die eine Weiterbildung absolvieren möchten.

"Ganz wichtig ist mir, dass ich weiss, wer ich bin, was ich für Werte habe und wo meine Grenzen sind." (Rosine Dätwyler)

Mein Mann ist für das Marketing zuständig und hat auch den gesamten Haushalt an sich genommen. Aktuell lassen wir jedoch eine Nanny bei uns zur Probe arbeiten, weil wir uns zusätzlich Entlastung wünschen. 

Ich arbeite auch viel von zuhause aus: Wenn die Kinder am Spielen oder Schlafen sind, komme ich dazu meine Büroarbeit zu erledigen. Meine Kinder sind es sich aber von Anfang an gewöhnt, dass ich berufstätig bin und wenn zum Beispiel das Telefon klingelt und es sich um das

Maykosmetik Studio handelt, gehe ich dran und meine Kinder akzeptieren das. Sie begleiten mich manchmal sogar sehr gerne ins Studio! (lacht) Es ist wirklich ein Familienbetrieb – wir

leben Maykosmetik. (lacht)

 

Und jetzt muss ich trotzdem nochmals vorsichtig nachfragen: wo ist Zeit für dich?

(Lacht) Im Moment komme ich viel zu kurz, ja, das muss ich so sagen. Zeit für mich habe ich sehr selten, meistens am Abend, wenn alle schlafen; erst dann kann auch ich ein wenig abschalten. Am Morgen stehe ich zudem sehr früh auf und lese meine mich inspirierenden Joyce Meyers Emails und freue mich auf einen schönen Kaffee – das sind meine kurzen 10 Minuten, in denen ich meine Emails lesen kann, Energie für den Tag tanke und Zeit für mich habe. Wenn es abends noch drin liegt, koche ich sehr gerne für meine Familie ein Afrikanisches Abendessen – wir nennen das "Soul Food" - und ich spreche auch immer ein Gebet vor dem Schlafengehen.

 

Das sind meine Nischen, die ich mir einräume. Etwas Besonderes ist es für mich, wenn mich meine Mitarbeitenden mit einer Fusspflege verwöhnen – wenn wir zum Beispiel Lücken im Behandlungsplan haben. Dann darf ich mir einen Moment der Ruhe und Entspannung gönnen.

"Ich liebe, was ich tue und geniesse mein Leben." (Rosine Dätwyler)

Du hast eine so positive Aura – woher kommt die?

Hmmm, ich glaube, meine positive Aura kommt daher, weil ich mir vorgenommen habe positiv nach vorne zu blicken. Meine Kindheit war teilweise recht schwierig und es gab einige Ups und Downs.

Als ich dann meine eigenen Kinder auf die Welt gebracht habe, merkte ich, dass ich die

Vergangenheit loslassen konnte. Die Geburt war sozusagen wie auch ein neues Leben für mich. Als meine Tochter Noemi zur Welt kam, habe ich beschlossen ein religiöses Zeichen zu setzen und so habe ich mich taufen lassen und lebe seither eng verbunden mit dem christlichen Glauben. Ich möchte auf diese Art und Weise meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen – dankbar, dass ich jeden Tag gesund aufstehe, eine intakte Ehe und Familie habe, ein laufendes Geschäft und mich verwirklichen kann. Das ist für mich nicht selbstverständlich und ich weiss es

sehr zu schätzen.

Auch die vielen Kontakte, die ich mit Menschen habe – auch zum Beispiel wir zwei, dass wir hier sitzen und uns unterhalten, schätze ich sehr. Ich denke diese Dankbarkeit und meine Lebenseinstellung lassen mich so eine positive Aura ausstrahlen. Es ist ein Geschenk und ich liebe, was ich tue und geniesse mein Leben.

 

Welche Anregungen würdest du meiner Leserschaft, basierend auf den oben besprochenen Themen, mit auf den Weg geben?

Oh, das ist nicht ganz einfach zu beantworten (lacht und überlegt einen Moment). Sich selbst zu sein und in allem das Gute und Positive zu sehen. Auch wenn man zum Beispiel negativen Menschen begegnet, versucht das positive zu sehen und mit Liebe durchs Leben zu gehen. Sich nicht von negativen Einflüssen verändern lassen, sondern sich selber treu bleiben. Macht euer Ding ungeachtet davon, was andere davon halten.

 

Ich danke dir sehr herzlich für dieses wunderbar inspirierende Gespräch, liebe Rosine!

Zur Person

Rosine Dätwyler, Kosmetikerin EFZ, Dipl. Dermapigmentologin & Onkologische Kosmetikerin

Maykosmetik Oriental Day Spa & Medical Kosmetik Aarau

Website

Ein Kaffee mit Nadja Zimmermann, Gründerin LouMalou


Begeisterung teilen ist Cool

 

 

 

Ich treffe Nadja Zimmermann früh morgens im Zürcher Café Sphères.

Besser hätten wir uns den Treffpunkt nicht aussuchen können: das Sphères ist Café, Bar, Buchhandlung und Bühne in einem - ein kreativ, inspirierender Ort, der zum Verweilen und Philosophieren einlädt.

 

Schön, darf ich Nadja in dieser passenden Atmosphäre meine Fragen stellen.

"Unser Menü Eins" – einfache und schnelle Rezepte für den Alltag. Mit diesem Projekt habe ich dich 2012 kennengelernt und seitdem verfolge ich mit Freude die Entwicklung von LouMalou by Nadia Zimmermann. Wenn du an diese Zeit zurückdenkst, welche Gedanken gehen dir dann durch den Kopf?

Vieles hat sich ergeben. Im Jahr 2010/2011 ist die Idee für das erste Kochbuch entstanden und daraus haben sich dann sehr viele, nicht vorhersehbare Dinge ergeben, die sich alle positiv entwickelt haben. Eigentlich wollte ich mir nur eine Auszeit beim Fernsehen nehmen – die

Idee mit dem Kochbuch war da, und ich wollte mich diesem neuen Projekt widmen. Daraus

ist dann eigentlich eher zufällig meine Selbständigkeit entstanden. Weitere Aufträge kamen und so wurde die Auszeit ein neuer Weg.

Du hast mittlerweile vier Kochbücher herausgegeben – erwartet uns bald ein weiteres Werk von dir?

Ich werde bestimmt wieder an einem Kochbuch arbeiten. Aber im Moment ist das Neue ja noch aktuell. Zudem ist es sehr viel Arbeit – die Bücher mache ich eher nebenbei, denn ich bin mit einem 80-90% Pensum und den Aufträgen ziemlich ausgelastet. Darum ist mir eine gute

Zeiteinteilung sehr wichtig. Aber ja, ich möchte gerne wieder ein Buch veröffentlichen und bin tatsächlich gedanklich schon am Überlegen, in welche Richtung es gehen könnte.

Und welches Rezept sollen meine Leser unbedingt ausprobieren und warum?

Alle! (lacht) Ich habe kein Lieblingsrezept; aber ich glaube, das ist auch saisonal abhängig. Wir steuern jetzt auf den Winter zu und da liebe ich zum Beispiel Lebkuchen, Magenbrot oder Suppen. Oh, da gibt es meine Kartoffelsuppe, die finde ich ziemlich cool, denn die koche

ich aus Resten von Kartoffelstock. Alles, was es noch braucht, ist frische Bouillon, etwas Rahm und voilà, schon hast du eine ganz feine, crèmige Suppe. Aus den Kartoffelschalen lassen sich übrigens knusprige Chips machen – die werden mit ein bisschen Öl und Salz super kross im Ofen und so kannst du alles von der Kartoffel verwenden.

Deine Themenentwicklung und heutige Themenvielfalt sind beeindruckend. Wie bist du auf die jeweiligen Bereiche gekommen?

Der Fokus liegt sicherlich auf meinen Rezepten; ich habe jede Woche mindestens ein Neues, das ich publiziere.


"Es war ist wichtig, dass ich über Dinge schreibe, die mich persönlich interessieren." (Nadja Zimmermann)


Die anderen Themen haben sich über die Zeit ergeben. Es war mir wichtig, dass ich über Dinge schreibe, die mich persönlich interessieren. Ich bin sozusagen im Vorfeld meine eigene Zielgruppe. Und so finden sich zum Beispiel auch Ausflugs- oder Hoteltipps auf meiner Seite.

 

Wenn ich etwas sehe oder ich etwas mache, das ich gut finde, dann möchte ich dies mit meiner Community teilen. Ich habe mir das immer so vorgestellt, wie wenn ich einen Tipp einer guten Freundin schildern würde. Ich sehe beispielswiese einen coolen Shop, der wunderschöne Glasfläschchen verkauft und ich diese toll und nachhaltig finde – dann empfehle ich sowas gerne weiter.


"Ich schreibe nur über Dinge, die mich wirklich begeistern." (Nadja Zimmermann)


Natürlich werde ich auch kontaktiert, um Produkte auszuprobieren, die ich vorher noch nicht kannte. Aber da bin ich ziemlich strikt im Aussieben, denn ich muss hinter dem Produkt stehen und eben einen ehrlichen Tipp abgeben können. Ich schreibe nur über Dinge, die mich wirklich begeistern.

 

Neulich hatte ich zum Beispiel ein alkoholfreies Apéro-Getränk zum Testen. Ein wirklich gutes alkoholfreies Getränk fehlte irgendwie immer – Wasser und Orangensaft finde ich persönlich eben ziemlich unattraktiv! Ein neuer Hersteller kam auf mich zu und ich war sofort total

begeistert! Wir arbeiten nun zusammen.

Deine Bildsprache auf LouMalou ist wunderschön und aus den zahlreichen Posts, die ich mir täglich anschaue, ist deine persönliche Handschrift sehr gut zu erkennen – welches ist die wichtigste Inspirationsquelle für dich?

Hmmm… auch hier gestalte ich die Dinge so, wie sie mir gefallen. Ich arbeite zum Beispiel sehr gerne mit Grautönen. Das ist sicher ein Gestaltungselement, was heraussticht. Ich finde gerade beim Essen, dass Grau die Farben sehr appetitlich und schön wiedergibt. Das Essen ist in der Regel ja eher bunt, und so ich finde Grau als Farbe eine perfekte Bühne.


"Grau nimmt sich zurück und 'sagt', macht ihr nur, ihr Farben, ist schon ok für mich." (Nadja Zimmermann)


Grau ist nicht aufdringlich, hält sich dezent im Hintergrund und ist für mich daher eine sehr sympathische Farbe. Sie bietet anderen Farben eine wohlwollende Plattform. Grau ist edel. Grau nimmt sich zurück und "sagt", macht ihr nur, ihr Farben, ist schon ok für mich. Darum mag ich Grau so sehr und die Farbe wird aus meiner Sicht zu Unrecht klein gemacht.

 

Aber ich habe natürlich auch in der Vergangenheit experimentiert: Es gab eine Zeit, da habe ich viel mit Holz gestaltet. Davon bin ich aber eher weggekommen, weil Holz immer einen leichten Gelbstich in die Bildsprache gebracht hat. Aber je nachdem was man macht, hat eben dieser

rustikale Touch auch etwas.

Und um noch auf deine Frage zur Inspiration zu antworten: ich gehe mit offenen Augen durchs Leben, sehe immer wieder so schöne Dinge auch auf  Instagram oder Pinterest. Ich lasse mich stets begeistern und inspirieren.

Du plädierst ebenfalls für Nachhaltigkeit in der Küche und verwendest mit Vorliebe Bioprodukte. Ich habe gelesen, dass du gerne auf Bauernhöfen und in Bioläden einkaufen gehst. Was würdest du einer vierköpfigen Familie mit kleinem Budget raten, für die Bioprodukte schlicht zu teuer sind, sie aber trotzdem nachhaltig kochen möchte?

Zuerst muss ich sagen, dass ich sehr gerne mehr auf dem Markt oder bei lokalen Produzenten einkaufen würde. Aber ich habe da leider ein Zeitproblem. Ich wollte zum Beispiel schon lange die Biokisten bestellen, die saisonal zusammengestellt und nach Hause geliefert werden. Aber

hier befürchte ich, dass ich zu viele Lebensmittel effektiv wegschmeissen müsste. Ich bin bei meiner Kochauswahl teils etwas unflexibel, auch, weil ich mit Auftraggebern zusammenarbeite, die inhaltlich gewisse Vorgaben machen oder ich immer wieder an Rezept-Deadlines gebunden bin.


"Es ist meines Erachtens wichtig, dass frisch gekocht wird." (Nadja Zimmermann)


Da muss ich dann gezielt einkaufen gehen. Ich bin beim Kochen daher gar nicht so frei, produziere manchmal wochenlang im Voraus. Und da ich regelmässig auch gar nicht Zuhause bin und nicht möchte, dass die Dinge dann liegenbleiben. Aber ich habe so eine Biokiste stets im Hinterkopf.

 

Bei einem kleinen Budget, das ich auch schon hatte, ist es meines Erachtens wichtig, dass frisch gekocht wird. Nur schon der Verzicht oder der massvolle Konsum von Fleisch spart viel Geld; lieber weniger Fleisch, dafür sich ein gutes Stück gönnen – auch um dem Nachhaltigkeitsgedanken gerecht zu werden. Des Weiteren lässt sich aus grossen Mengen ein

Menü strecken – angenommen, du kaufst eine Packung Hirse oder Couscous oder was auch immer, kannst du über einige Tage dieses in verschiedenen Variationen in deinem Menüplan einplanen. Das spart Zeit und Geld.

Wichtig ist meines Erachtens auch einen Wochenplan aufzustellen und vorausschauend die vorhandenen Lebensmittel einzusetzen. 

Also vorausschauend planen und frische Lebensmittel kaufen, das wäre mein Tipp.

Wie definierst du für dich persönlich "nachhaltiges Leben" und wo legst du privat die grösste Aufmerksamkeit auf Nachhaltigkeit?

Achtsamkeit ist mir sehr wichtig. Das heisst, ich überlege mir bewusst, was ich tue, was ich einkaufe. Ich laufe nicht kopflos durch den Laden, schaue mir die Sachen an, woher sie kommen, überlege mir, was wann Saison hat.


"Ich möchte kein Moralapostel sein! Mir ist einfach wichtig, dass ein jeder für sich bewusste Entscheidungen trifft und danach handelt." (Nadja Zimmermann)


Bewusst einkaufen, bewusst leben, bewusst nicht überall in der Wohnung das Licht brennen lassen, usw. Und auch ganz wichtig: sich bewusst für oder gegen etwas entscheiden. Damit meine ich, dass natürlich auch ich Dinge kaufe, die nicht unbedingt nachhaltig sind, ich aber weiss, dass dem so ist und dafür bei anderen Dingen den Fokus wieder mehr auf Nachhaltigkeit oder Umweltverträglichkeit lege. Ich möchte kein Moralapostel sein! Mir ist einfach wichtig, dass ein jeder für sich bewusste Entscheidungen trifft und danach handelt.

Ich denke, die Balance macht es aus.

 

Ich bedanke mich sehr herzlich für deine interessanten Antworten auf meine Fragen, liebe Nadja!

Zur Person

Nadja Zimmermann ist nicht nur bekannt mit LouMalou - die Onlineplattform für schnelle Rezepte und einen entspannten Lifestyle. Sie ist seit 1999 ein bekanntes Gesicht der Schweizer Medienwelt (u.a. "Glanz & Gloria", TV-Produzentin, Radio-Moderatorin).

 


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