Ein fliegender Hut & warum Klimaschutz kein Luxusgut werden darf

Mir fliegt gleich der Hut hoch! Mit rotem Kopf habe ich neulich einen Beitrag eines Schweizer Wirtschaftsmagazins am Fernsehen mitverfolgt und traute meinen Ohren kaum: In den Europäischen Ländern forderte die Industrie tatsächlich, dass der Klimaschutz aufgrund der Corona-Krise vorerst hintenangestellt werden solle; es sei nun wichtiger, die Wirtschaft wieder mit altbewährten (!) Massnahmen und Anreizsystemen anzukurbeln. Führende Staats- und Regierungschefs sowie Wissenschaftler hielten Gott sei Dank auf internationaler Ebene dagegen und unterstrichen die Wichtigkeit, dass man die Krise als Chance sehen und nun unbedingt wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle fördern solle. 

Der Klimaschutz, das nächste Covid-19 Opfer?

Es ist tatsächlich so, dass wir uns auf internationalem Parkett mit einer implodierenden Wirtschaft und einer explodierenden Arbeitslosigkeit konfrontiert sehen. Trotzdem, alte, umweltschädliche Gewohnheiten müssen vermieden werden, so meine persönliche Haltung, da der Wirtschaft gegenwärtig Milliarden an Förder- und Unterstützungsgelder zur Verfügung gestellt wurden. Als Ökonomin erkenne ich selbstverständlich den Konflikt, dass an die systemrelevanten Branchen viele Arbeitsplätze gekoppelt sind. Lobbies und Gewerkschaften sind vornehmlich am ökonomischen Gesunden der Wirtschaft interessiert; dies aber grösstenteils zu Ungunsten der Umwelt. Meine Wahrnehmung: Subventionen und Auffanggelder JA, Auflagen zu Klimaschutzzielen NEIN. Das darf aus meiner Sicht nicht akzeptiert werden!

 

Mein persönliches sowie politisches Ziel sind die Vereinbarkeit einer starken und gesunden Wirtschaft mit nachhaltigen Technologien. Es ist für mich ein Imperativ, dass wir an die zukünftigen Generationen und den Schutz unseres Planeten Erde denken müssen.

 

Das Jahr 2019 war für mich das Klimajahr und ich habe erstmals einen merklichen Ruck in der Gesellschaft, aber auch dank signalstarken Bewegungen, weltweit gespürt. Diesen Schwung dürfen wir nicht verlieren, sondern müssen besorgt sein, dass wir wettbewerbsfähige Technologien im Sinne des Klima- und Umweltschutzes voran treiben und unterstützen. Um das Klimaziel 2050 zu erreichen, müssen wir nachhaltig investieren und fördern. Es besteht meines Erachtens die Gefahr, dass es sich besonders umweltbelastende Branchen nun einfach machen und die Corona-Krise als Vorwand nutzen nach ihrem Status Quo weiter zu wirtschaften.

Klimaschutz darf kein Luxusgut werden

Mein Apell lautet ganz klar, dass wir trotz Krisensituation progressiv und zukunftsgerichtet denken und handeln müssen. Hier einige Beispiele: 

  • Investitionen in neue Antriebstechnologien (z.B. Hybrid-, Elektromotor);
  • Einen innovativen Wirtschaftsstandort Schweiz als internationales Vorbild fördern (Think Tank);
  • Forschung und Entwicklung in Richtung speicherbare Ressourcen voran treiben (z.B. Strom);
  • Förderung erneuerbare Energien und Schonung der "Seltenen Erden"

Es muss uns als Gesellschaft und als globale "Weltorganisation" gelingen, unseren Planeten zu schützen. Wir müssen bereit sein, in zukunftsorientierte, saubere Technologien zu investieren, diese zu fördern und entsprechend zu belohnen bzw. ein Zuwiderhandeln entsprechend zu sanktionieren (vgl. Lenkungsabgaben, Subventionen, Bonus-Malus-System, Steuervergünstigungen, u.a.).

Die Zukunft liegt vor uns. Wir haben es in unseren Händen Verantwortung zu übernehmen: für Mensch, Tier und Umwelt! Aus der Vergangenheit haben wir gelernt, dass "dreckige" Technologien nachhaltigen und irreparablen Schaden anrichten - machen wir es besser und gestalten wir mit den Erkenntnissen unsere Zukunft.

 

Eine starke Ökonomie und eine funktionierende Volkswirtschaft sind unbestritten existentiell wichtig; genauso essentiell und überlebenswichtig ist jedoch unsere Umwelt - denn ohne gesunde Natur gibt es auf diesem Planeten kein (langfristiges) Leben.

 

Es ist Zeit zu handeln!