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Home Office: Blaumachen statt Arbeiten?

Das Arbeiten im Home Office ist leider mit vielen Vorurteilen behaftet. Es wird häufig  gleichgesetzt mit "blaumachen", nebenbei den Haushalt besorgen, einkaufen gehen und, und, und.

 

Warum ist das so und welche Voraussetzung braucht es, um diesem negativen Klischee entgegenzuwirken?

 

Ich arbeite neben meiner Arbeit im Schreibatelier noch zu 100% in der Industrie als Projekt Managerin und nehme mir jeden Montag die Zeit, die Woche zuhause zu starten.

Ich sortiere dann meine Gedanken, greife die Arbeiten auf, für die ich Ruhe und Konzentration benötige oder gar konzeptuell fokussiert denken möchte.

Mein Tag beginnt am Montag bereits kurz nach 7 Uhr in der Früh und endet nicht selten erst nach 18.30 h. Mir gibt der Tag Zuhause die Möglichkeit ohne morgendliche Reisezeit und Ablenkung die Woche in Angriff zu nehmen. Ich bin sofort erreichbar und ebenfalls äussert zügig in der Bearbeitung und Abarbeitung meiner Projektaufgaben.

 

Hole ich mir einen Kaffee, ist der Weg sehr kurz und auch der Lunch wird meistens verkürzt eingenommen, da ich die Motivation habe, meine Denkarbeit zügig und ohne grossen Zeitverlust fortzuführen.

Abends, wenn ich dann mein Laptop ausschalte, geniesse ich es, dass ich bereits Zuhause bin und nahtlos in den Feierabend gleiten kann.

Was braucht es, damit das Home Office Konzept funktioniert?

Grundsätzlich gelten für mich die gleichen Voraussetzungen, wie wenn ich einen normalen Bürotag in Angriff nehme:

  • Einen aufgeräumten Arbeitsplatz: Es sollen die gleichen Bedingungen wie im Büro gelten. Dazu gehört für mich ein grosser Bürotisch, auf dem ich mich ausbreiten kann.
  • Parat machen: In Zeiten von Skype und Face-Time ist es für mich selbstverständlich, dass ich mich morgens dusche, schminke und business-like anziehe und nicht im Trainer vor dem Laptop sitze. Bei mir kommen spontane Video-Calls sehr häufig vor.
  • Eingerichtet sein: Laptop, Mobiltelefon inkl. Kopfhörer, Stromkabel, etc. funktionieren und auch ein Block und Stift liegen für allfällige Schnellnotizen neben mir.
  • Arbeitsplatzgestaltung: Ausreichend Tageslicht bzw. eine gute Lichtquelle, gut belüfteter Raum und ein bequemer Stuhl sind mir wichtig.
  • Kreativzeit für mich: auch wenn es noch so verlockend ist, hochkonzentriert und eben ungestört zu arbeiten: das Hirn braucht ab und zu kurze Denkpausen. Ich nutze sie, um kurz einen Kaffee an der frischen Luft zu geniessen und im wahrsten Sinne des Wortes Luft zu holen.

Das wichtigste Kriterium, damit das Home Office Konzept gelingt, habe ich mir für den Schluss aufbewahrt:

  • Vertrauen geben und Vertrauen schenken! Ich gehöre zu den Menschen, die einen Vertrauensvorschuss geben, weil ich mich als Massstab meines Denkens, Handelns und meiner Arbeitsethik nehme. Gefestigt wird Vertrauen meines Erachtens aus den Arbeitsresultaten und der gegenseitigen Erreichbarkeit über die gängigen Kommunikationskanäle.

Es gehört heute meiner Meinung nach zur Zufriedenheit der Mitarbeitenden aller Hierarchiestufen, dass die Möglichkeit des Home Offices besteht. Flexibilität wird von beiden Seiten erwartet und wer geplant oder manchmal auch spontan einen Arbeitstag umorganisiert, soll ohne Wenn und Aber auch von gewissen Freiheiten profitieren - die technischen Voraussetzungen sind heute in aller Regel gegeben.

 

Ich plädiere ganz klar für ein modernes Arbeitssystem, damit die Arbeitszufriedenheit, Produktivität und Effizienz steigt. Selbstverständlich ist es ein Einspielen seitens Arbeitnehmer und Arbeitgeber aber auch in den immer agiler werdenden Teams. Flexibilität und Unabhängigkeit im Sinne des Arbeitsortes sollen nach Möglichkeit und Sinnhaftigkeit gewährleistet sein. Vertrauen darf kein Lippenbekenntnis sein, sondern das Fundament des Arbeitsverhältnisses. Das Ziel soll der Weg sein. Wie das erreicht wird und von wo, sollte sekundär sein.

 

Mich motiviert mein Home Office Day und ich bin dankbar, dass ich einen modernen und fortschrittlichen Arbeitgeber habe, der die benötigte Infrastruktur zur Verfügung stellt.

 

Abschliessend möchte ich noch betonen: Als menschenbezogene Person ist die Aussicht, dass ich am Dienstag meinen Vorgesetzten, meine Kolleginnen und Kollegen physisch wieder im Büro sehe, äusserst motivierend und gibt mir mit Sicherheit die Arbeitszufriedenheit, die sich auch in meiner Arbeitsweise und -haltung widerspiegelt.

 

  • Welche Erfahrungen habt ihr mit Home Office gemacht?
  • Arbeitet ihr auch regelmässig einen Tag ausserhalb des Büros?
  • Gibt es Vorurteile und wenn ja, wie tretet ihr denen entgegen?