· 

Die Erde, ein Treibhaus ohne Lüftung?

Es sind "nur" 2-4 Grad Celsius Wärmeanstieg, welche die globale Erderwärmung im Durchschnitt beträgt - In der Schweiz seit Ende des 19. Jahrhunderts ein Anstieg bis Dato um 2.1 Grad. Doch diese gefühlt kleinen Abweichungen bedeuten für unseren Planeten eine Katastrophe und wir rasen mit Vollgas auf ein ökologisches Desaster zu.

Wir sitzen im Treibhaus

Merkt ihr es nicht auch? Zu Beginn war es ein Gefühl, doch Wissenschaftler haben mittlerweile bewiesen, dass sich die Jahreszeiten verschieben. Ich habe Bekannte, die bereits zu Jahresbeginn an Heuschnupfen leiden - hätte das nicht erst im Frühling, wenn alles blüht und spriesst Saison? Der "echte" Winter kommt erst Ende Januar oder Anfangs Februar - zu Weihnachten sitzen wir gefühlt im T-Shirt unter dem Weihnachtsbaum. Auf der Webseite Naturwissenschaften.ch ist nachzulesen, dass sich das Klima in der Schweiz deutlich dahin gehend verändert, dass die Hitzeperioden intensiver und ergo mit weniger Niederschlag verbunden sind. Die Wintermonate kürzer werden.

 

Dieses Phänomen ist auf den Treibhauseffekt zurückzuführen. Die Erde wird, bildlich gesprochen, von einem zweiten, nicht natürlichen Mantel, bestehend aus CO2-Ausstoss umgeben, der bewirkt, dass die Durchschnittstemperatur um ein paar Grad ansteigt. Wir können im Sommer teilweise nicht mehr atmen, da es einfach zu warm unter diesen zwei Decken wird (die erste Deckenschicht benötigen wir, dass wir auf der Welt überhaupt existieren können).

 

Stösst die Menschheit ungebremst noch weiter derart viel CO2 in die Atmosphäre aus, können wir uns das Backofenszenario sehr einfach visualisieren... Die Pole schmelzen, die Wasserspiegel steigen, Inseln verschwinden, die Ozeane versauern aufgrund des steigenden Kohlendioxid, zahlreiche Meereslebewesen verenden, da zu wenig Sauerstoff und unter Umständen zu viel Algen das Wasser "umstehen" lassen. Die Luftmassen verändern sich und Wetterextreme peitschen gnadenlos auf uns Menschen nieder. Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts Klimafolgenforschung ist klar der Meinung, dass wir diese rasante Erwärmung nur mittels Einführung eines CO2-Preises steuern können, damit individuelle Anstrengungen nicht verpuffen.

Wir haben nur einen Planeten

Ich habe mich mit einigen wissenschaftlichen Artikeln befasst, die alle den gleichen Tenor haben: Seit gut 60 Jahren warnt uns die Wissenschaft vor den Folgen des kontinuierlichen CO2-Anstiegs, vornehmlich hervorgerufen durch die exzessive Nutzung fossiler Brennstoffe. Erst jetzt, also fast ein Menschenleben später, sickert in einem nie dagewesenen öffentlichen Diskurs die Erkenntnis durch, dass wir unseren Planeten nicht als CO2-Abfallhalde benutzen dürfen, dass wir handeln müssen, um das Leben auf dieser Welt zu retten. Antje Boetius, eine mich sehr beeindruckende Meeresbiologin des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, drückt es in ihrem Artikel "Gemeinsam etwas tun" (ersch. Stern, Nr. 39) sehr treffend aus: "Auch wenn jeder Mensch, jede Industrie, jede Nation andere Entwicklungspfade, andere CO2-Fussabdrücke hat: Wir sitzen jetzt alle in einem Boot, haben nur den einen Planeten."

...jetzt ist Handeln angesagt!

Einmal mehr möchte ich zu Mut, Engagement und Verantwortungsbewusstsein gegenüber unserer menschlichen Existenz und unserer Erde aufrufen! Sich hinter Ausreden zu verstecken, ist jetzt einfach nicht mehr möglich. Wir müssen nachhaltiges Denken als gegeben, ja selbstverständlich in unser Tun und Handeln einbetten. Veränderung ist zu Beginn immer unangenehm, das weiss ich aus eigener Erfahrung. Lohnenswert ist aber das Gefühl etwas richtig Gutes und vor allem Nachhaltiges zu tun. In kleinen Schritten, mit etwas Verzicht und Verantwortungsbewusstsein für die Zukunft zu handeln. Wir sollten Schattenspiele à la "grün denken und schwarz handeln" (Anlehnung an das Zitat des Deutschen Journalisten Stephan Maus, 'Kinder, bitte rettet uns!', ersch. Stern Nr. 39) vermeiden. Ich habe in früheren Beiträgen Beispiele aufgezeigt, wie sich nachhaltiges Denken und Handeln leicht und glaubwürdig in den Alltag integrieren lässt (vgl. "Ohne wenn und Abfall", "Besonders wirksame Tipps für Privatpersonen", "Stylish und mit gutem Gewissen 'to go' unterwegs").

 

Einschränkung oder gar Verzicht auf gewisse Lebensmittel ist für mich nicht gleichbedeutend mit weniger Lebensqualität. Im Gegenteil: es bedeutet für mich Achtsamkeit mit mir selber und der Umwelt. Einen rabenschwarzen ökologischen Fussabdruck haben zum Beispiel Avocados. Obwohl ist diese Beere sehr mag (ja, aus botanischer Sicht handelt es sich wirklich um eine Beere und keine Frucht), esse ich seit Monaten keine mehr. Fehlen tut mir deswegen nichts.

 

Gleiches gilt beim Fleischkonsum: weniger und dafür hochqualitativ gutes Fleisch ist mehr.

Was ich im Haushalt und beim Einkaufen begonnen habe, transferiere ich best möglichst in mein Bestreben Fairtrade Kleidungsstücke mit zertifizierten und glaubwürdigen Labels zu kaufen. Natürlich kann ich den Hebel nicht von Jetzt auf Gleich umlegen - ich möchte mir einen Überblick über das Sortiment und Angebot verschaffen; und schliesslich sollen mir die Kleidungsstücke auch gefallen und stehen. Welch positive erste Erfahrung ich kürzlich gemacht habe, ist in meinem Blogbeitrag "Öko-Mode? Ja, klar! Labels? Unbedingt! zu lesen.

Wir müssen für unser umweltfeindliches Handeln zahlen

So sehr ich die junge Klimaaktivistin Greta Thunberg für ihr Engagement und ihren Mut bewundere, so sehr hat mich ihr Auftritt an der Klimakonferenz in New York befremdet: ich habe extremistische, hasserfüllte Gesichtszüge gesehen. Verzweiflung und zu viele Emotionen lenken meines Erachtens von einem konstruktiv geführten Diskurs ab. Gehör verschafft man sich mit Beharrlichkeit, klugen Argumenten, dem Willen zu Kooperation und vor allem Taten. Natürlich, die Jugendbewegung mit ihren "Fridays for Future" hat zweifelsohne wachgerüttelt und endlich ist auch die Politik zum Handeln aufgefordert.

Klug und weitsichtig wären meiner Meinung nach Massnahmen, die nach dem Verursacherprinzip besteuert würden (Bsp. Auto, Benzin, Ölheizung, Flugreisen usw.) und andere, die fortschrittlich investieren, belohnt würden (Bsp. Wärmedämmung an Häusern, alternative Heizsysteme, Hybridautos usw.). Wenn es Herrn und Frau Schweizer an die Geldbörse geht, können gewisse Prozesse systematisch und systemisch gelenkt werden. Wir müssen einsehen, dass wir für unser umweltfeindliches Handeln zahlen müssen. Das erreichen wir über Lenkungs- und Besteuerungsmassnahmen, die meines Erachtens dringend notwendig sind und gegenwärtig im politischen Diskurs oben auf der Agenda stehen.

Pragmatismus und Neugierde

Die Zielsetzungen des Weltklimarates (IPCC) auf der Klimaagenda sind gesetzt und verlangen, dass die Erderwärmung auf 1.5 Grad Celsius im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung eingedämmt wird. Um dieses erklärte Ziel zu erreichen, müssen Massnahmen getroffen werden:

  • Bis 2030 muss der CO2-Ausstoss signifikant gesenkt werden und zwar auf das Niveau vor 2010.
  • Bis 2050 muss der Netto-CO2-Ausstoss pro Kopf auf Null gesetzt werden.
  • Der verbleibende und neu verursachte CO2-Ausstoss muss kompensiert werden.

Ich bin eine pragmatische Person und liebe es, Neues auszuprobieren und mir eine Meinung zu bilden. Deshalb möchte euch Denkanstösse aufzeigen, die mit gefallen und die ich euch gerne als Inspiration weitergeben möchte. Diese Ideen lassen sich in verschiedenen Lebensbereichen einsetzen und bedürfen keinem grossen Aufwand.

Tipps für den Haushalt

Quelle: Stocksnap.io
Quelle: Stocksnap.io
  1. Ökologische Produkte kaufen
  2. Stromsparlampen einsetzen
  3. Müll konsequent trennen
  4. Wenig Chemie zum Putzen verwenden
  5. Konsequent auf e-Billing umsteigen
  6. Mehrwegbeutel beim Einkaufen
  7. Wäsche im Kurzwaschgang waschen; Tumbler nach Möglichkeit nicht benutzen

Tipps für Wohnen

Quelle: Stocksnap.io
Quelle: Stocksnap.io
  1. Heizung auf 20-22 Grad einstellen
  2. Fenster nicht unnötig geöffnet lassen
  3. Gute Wärmedämmung
  4. Wenn möglich auf erneuerbare Energien setzen
  5. Haushaltsgeräte gezielt einsetzen
  6. Lichtquellen nicht unnötig brennen lassen

Tipps für die Mobilität

Quelle: Stocksnap.io
Quelle: Stocksnap.io
  1. Öffentliche Verkehrsmittel dem Individualverkehr vorziehen
  2. Flugreisen ganz bewusst antreten
  3. Zu Fuss kurze Strecken gehen
  4. Benzinsparend Autofahren
  5. Velo nehmen - tut gut, ist gut!
  6. Fahrgemeinschaften bilden

Tipps für Shopping und Lebensmitteleinkauf

Quelle: Stocksnap.io
Quelle: Stocksnap.io
  1. Auf Labels achten (Fair Fashion, Fair Trade, Bio-Zertifikate)
  2. Bewusstes Shopping, auf Qualität achten!
  3. Energiezertifikate auf Elektrogeräten achten
  4. Ursprungsländer & Transportwege beachten
  5. Saisonale Produkte kaufen & Food Waste vermeiden

Tipps für den Büroalltag

Quelle: Stocksnap.io
Quelle: Stocksnap.io
  1. Keine Einwegbecher verwenden - eigene Tasse u.a. mitnehmen
  2. Recycelbares Papier einsetzen
  3. Seiten beidseitig bedrucken
  4. Umfeld auf sinnvolle Massnahmen sensibilisieren
  5. Klimaanlage sparsam verwenden
  6. Treppensteigen statt Lift benutzen

Natürlich sind diese Tipps nicht abschliessend, sondern dienen euch als Inspiration und Denkanstoss.

 

Zusammenfassend: Alles Handeln beginnt in kleinen Schritten. Wir können den Klimawandel nicht mehr leugnen, zu offensichtlich die Zeichen der Umwelt. Handeln, Informieren und mit Offenheit ökologische Schritte unternehmen, so dass die Ressourcen geschont werden und wir auch in Zukunft auf die Säulen der Ökologie, Ökonomie und Umwelt bauen können.

 

Wir brauchen unseren Planeten, um ein würdiges Dasein für Mensch, Tier und Natur zu haben und wir müssen Sorge tragen, damit die nächsten Generationen ebenfalls eine gute Zukunft haben.

Es liegt an jedem Einzelnen - nachhaltiges Handeln ist wichtig, richtig und ganz wichtig: es macht Spass!