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Öko-Mode? Ja klar! Labels? Unbedingt!

Ich wage mich an ein Alltags-Experiment: Bis vor kurzem hätte ich mich noch als unbekümmerte Modeshopperin bezeichnet - das, was gefällt, wird gekauft. Auf das Label und wo das neue Lieblingsstück hergestellt wird, habe ich eher weniger geachtet; mit Ausnahme bei Produkten aus China - die meide ich schon seit längerem.

 

Nun beschäftige ich mich sehr intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Da lässt es schlicht mein (Ge-)Wissen nicht mehr zu, dass ich einfach so drauflos einkaufe. Zu gross ist auch mein Interesse wie die grossen und kleinen Kleidungsgeschäfte ihr Sortiment gestalten und ob auch Kollektionen aus nachhaltig produzierten Rohstoffen sowie fairen Arbeitsbedingungen angeboten werden.

Super Sache

Neugierig bin ich also kürzlich bei ESPRIT schauen gegangen und tatsächlich, mit dem Label "ESPRIT Organic" finde ich Herbstmode, die mich neugierig macht. Ich spreche die Verkäuferin auf die neue Linie an. "Ja, die ist neu. Auch wir wollen etwas tun. Und im oberen Stock gibt es sogar Mäntel, die mit recycelten Plastikkomponenten versehen sind." Super Sache, finde ich!

 

Ich probiere eine weisse und olivfarbene Bluse sowie eine hellbraune Skinny-Jeans.  Und ich staune: alle drei Kleidungsstücke passen nicht nur perfekt; sie sehen auch überhaupt nicht "sackig" oder langweilig aus; ein Clichée, das ich bisher zugegebenermassen von "Öko-Mode" hatte. Casual Herbstchic, der sich zudem wunderbar weich und geschmeidig auf der Haut anfühlt!

 

An der Kasse erwähnt die freundliche Modeberaterin, dass bei ESPRIT nur noch Papier- und keine Plastiktaschen mehr abgeben werden. Ich nicke erfreut und danke ihr, dass sie mir diese Information pro-aktiv gibt. Mit einem guten und vor allem zufriedenen Gewissen verlasse ich das Geschäft.

Der Produkte-Mix macht es aus

Einmal mehr: Nachhaltiges Denken und Handeln beginnt in kleinen aber vorwärts gerichteten Schritten. Ich möchte nicht proklamieren, dass jetzt nur noch Öko-Mode - und im weiteren Sinne, Öko-/Bio-Konsumgüter - gekauft werden sollen. Das wäre schlicht nicht glaubhaft und entspricht nicht der (aktuellen) Realität. 

Es kommt wie immer auf die Verhältnismässigkeit und das persönliche Bewusstsein an. Einfach mal einen Blick auf das Label, den Materialmix bzw. die Zusammensetzung und das Ursprungsland werfen oder das Verkaufspersonal ansprechen. Und wer ganz neugierig ist, kann das Lieblings-Label googeln und sich informieren, mit welchen ethischen, ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Grundsätzen das Unternehmen die Waren herstellt und vertreibt.

 

Nur wer sich informiert, kann sich ein bestmögliches Bild machen und unter Umständen aktiv etwas an seinem Konsumverhalten ändern. Die Balance zu finden zwischen ökologisch-nachhaltigem Verantwortungsbewusstsein und Spass am bewussten Konsumieren gilt es zu finden. Das ist meines Erachtens ein ganz wichtiger Grundsatz und (Lebens-)Einstellung. 

 

Um oben erwähntem Anspruch des sich Informierens gerecht zu werden, habe ich zuhause den Nachhaltigkeitsbericht von ESPRIT heruntergeladen. Tatsächlich ist dort aufgeführt, dass man noch lange nicht das anvisierte Nachhaltigkeitsziel erreicht hat. Doch man würde auf Transparenz, faire Arbeits- und Existenzbedingungen der Lieferanten achten, darauf, dass der Rohstoff möglichst Bio und nachhaltig produziert und die Wertschöpfungskette als Ganzes umweltschonend gestaltet werden würde.

Licht im Dschungel der Labels

Ja, es ist enorm schwierig sich ein vollumfängliches Bild im Dschungel der unzähligen Labels zu machen - seien es Kleidungs-, Nahrungs- oder Güter des täglichen Bedarfs. Ist wirklich alles Öko, Bio, Organic, Fair Trade etc., wo dies aufgedruckt ist? Ich masse mir nicht an, diese Frage abschliessend zu beantworten.

Was ich jedoch als verantwortungsbewusste Konsumentin unternehmen kann, ist die Recherche nach Informationen.

Darauf sollte geachtet werden

Wer Wert auf ökologisch hergestellte Konsumgüter, Fair Trade Bedingungen, gerechte und soziale Arbeitsbedingungen, schonenden Umgang mit den Ressourcen und umweltverträgliche Wertschöpfungsprozesse legt, sollte auf folgende Aspekte achten (Liste nicht abschliessend):

 

  • Wenn wir von Fair Trade sprechen, meinen wir in der Regel Produkte, die in Entwicklungsländern hergestellt werden, wo Armut und eher bescheidene Arbeitsbedingungen keine Seltenheit sind. Kaufen wir Produkte mit dem Fair Trade Siegel, unterstützen wir den Handel zu fairen Bedingungen und zwar auf der sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Ebene:
    • Geregelte Arbeitszeiten und gerechte Entlohnung des lokalen Produzenten
    • Keine Kinderarbeit
    • Menschenwürdige Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz (Schutzmasken, Arbeitskleidung, Lüftung der Arbeitsräume, Pausen, sicherer Umgang mit Arbeitsgeräten uva.)
    • Vorsichtiger Umgang mit Pestiziden (oder Eliminierung der selbigen)
    • Faire Preise für die Abnahme der fertiggestellten Produkte
  • Eine Minimierung der Schadstoffe bzw. Pestizide bei der Herstellung der Rohware hilft nicht nur der Umwelt, sondern ist auch für den Konsumenten vorteilhafter (vgl. bleihaltige Farben, Hautreizungen, Allergien/Hautausschläge etc.).
  • Material prüfen! Meine Recherchearbeit hat u.a. ergeben, dass zum Beispiel Baumwolle der am häufigsten verwendete Rohstoff in der Kleidungsindustrie darstellt. Entscheidend ist hier die Tatsache, ob dieser natürliche Rohstoff konventionell - also auf grossen Plantagen, unter Einsatz von Pestiziden, Kunstdünger und grossen Mengen Wasser angebaut wird und Plantagenarbeiter oft schutzlos diesen Giftstoffen ausgesetzt sind; oder ob er eben auf biologische Art und Weise ohne Einsatz von chemischen Pestiziden angebaut wird.
  • Fair Trade Produkte sind in der Regel teurer als "konventionelle" Güter. Der Preis spiegelt die wahre Wertschöpfungskette wider und es liegt an uns Konsumenten zu entscheiden, ob wir mit dem Kauf Einfluss auf die nachhaltigen, fairen Produktionsschritte nehmen und derart unsere Wertschätzung für Mensch, Tier und Umwelt zum Ausdruck bringen wollen.
  • Qualität sollte vor Quantität stehen: bevor wir unüberlegt/spontan ein Konsumgut erwerben, sollten wir kurz innehalten und uns ehrlich überlegen, warum wir das Produkt kaufen. Zudem lohnt es sich hochwertige, zeitlose Mode zu kaufen.
  • Bei Nahrungsmitteln: Nebst dem aufgedrucktem Label lohnt es sich einen Blick auf die Produktzusammensetzung zu werfen: naturbelassene Lebensmittel ohne die künstlichen Zusatzstoffe sind definitiv zu bevorzugen.
  • Apropos Lebensmittel: in der Schweiz steht z.B. die "Bio Knospe" dafür ein, dass die Interessen von Mensch, Tier und Natur im Gleichgewicht sind - ein wunderbaren Claim (mehr Informationen nachstehend)!

Die Liste könnte wohl noch weiter geführt werden - die von mir aufgeführten Punkte sollen einen Denkanstoss bieten und Lust auf mehr machen.

Inspiration zum Weiterlesen

Lust geweckt? Dann schmökert doch in meinen Empfehlungen, die mich inspiriert haben diesen Blogbeitrag zu schreiben.

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