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So einfach wird man jeden Tag ein bisschen mutiger

In meinem Artikel "Spitzenfrau statt Quotenfrau" vom 12. August, der ebenfalls von Dr. Anne-Sophie Morand, FDP Vizepräsidentin Luzern, inhaltlich begleitet wurde, habe ich geschlossen, dass wir "mutig und unser Dingen" machen sollen. Doch Mut ist nicht jedermanns bzw. jederfraus Sache. Die einen sind selbstbewusst genug, um einfach mal etwas zu riskieren; andere zerbrechen sich im Vorfeld den Kopf, was alles schief gehen könnte. Mit dem Resultat, dass "Frau" eben nicht "ihr Ding macht".

 

In meinem Netzwerk durfte ich Silke Weinig kennenlernen. Silke ist Coach, Trainerin und Bloggerin in Zürich (www.silkeweinig.com). Sie unterstützt Menschen, die in ihrem Leben etwas verändern möchten, sei es beruflich oder privat. Sie hat auf ihrer Webseite diverse Artikel

veröffentlicht, die eingängig zu lesen sind, Situationen lösungs- und ressourcenorientiert schildern und ermutigen neue Wege zu gehen.

Ich freue mich deshalb sehr, dass Silke einen Gastbeitrag auf meinem Blog zum Thema Mut veröffentlicht. Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen und eine Bestärkung, eben das zu tun, worauf ihr Lust habt. Lasst euch nicht bremsen, nur weil ihr das Gefühl habt, ihr packt das nicht. Lasst euch von Silke inspirieren mit welchen Kniffs man jeden Tag ein bisschen mutiger werden kann.

So einfach wird man jeden Tag ein bisschen mutiger!

Silke Weinig, Coach, Trainerin & Bloggerin

Etwas Neues wagen und ins kalte Wasser springen: manchmal klappt es ganz leicht und manchmal verlässt uns der Mut noch eher wir den dicken Zeh ins Wasser getaucht haben. Dann fühlen wir uns ängstlich und unsicher. Kann man das überwinden? Psychologen sagen ja. Denn Mut ist nicht angeboren, man kann ihn erlernen.

Haben auch Sie sich schon einmal ein Quäntchen mehr Mut gewünscht? Sei es auf einen fremden Menschen zuzugehen, einen neuen Job zu suchen, alleine zu verreisen, etwas Unbekanntes zu essen, ein extravagantes Kleidungsstück zu tragen – die Liste liesse sich mit Leichtigkeit erweitern. Man schielt auf andere und fragt sich, woher nehmen die den Mut? Was unterscheidet Tapfere von mutlosen Menschen?

Ich bin meine Gedanken

Es ist tröstlich zu wissen, dass selbst die Tapfersten unter uns auch manchmal zaudern, gar verzagen. Wer kennt keine Angst, Sorgen oder Befürchtungen? Dennoch sind manche zögerlicher als andere. Was schade ist, denn manche stehen sich mit ihren Gedanken selbst

im Weg. Es gibt nicht wenige Menschen, die glauben, dass Charaktereigenschaften, wie Mut, Willenskraft oder Durchsetzungsvermögen feststehende Grössen sind. Wenn ich glaube, dass mein Mangel an Mut unveränderlich ist, dann werde ich diesbezüglich tatsächlich keine Fortschritte oder Erfolgserlebnisse haben. Dieser negative Glaubenssatz ist eine selbsterfüllende Prophezeiung. Es wird genauso kommen, wie ich es mir gedacht habe.

Mut ist wie ein Muskel

Die Wissenschaft hat schon vor geraumer Zeit belegt: alle Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen sind veränderbar, so auch unser Mut. Man kann ihn trainieren, wie einen Muskel. Je öfter wir üben, desto stärker wird unser Selbstvertrauen und unsere Zuversicht.

Genauer gesagt, je häufiger man sich stressigen oder beängstigenden Situationen stellt, desto mehr wird man sich selbstwirksam erleben. Gleichgültig, ob jede Situation immer  hundertprozentig glücklich verläuft.

Irgendwann werden Sie selbst negative Erfahrungen unter dem positiven Konto der Erfahrungen verbuchen. Je öfter wir also handeln, desto mutiger werden wir und desto leichter

werden uns ähnliche Situationen in der Zukunft fallen. Klar, das ganze geschieht nicht von heute auf morgen. Welcher Anfänger kann schon in seiner ersten Trainingsstunde im Fitness-Studio eine 50 Kilo-Hantel stemmen? Wie beim Muskel-Training müssen wir mit leichteren Gewichten beginnen und dann die Last schrittweise

erhöhen.

Mucki-Budi für unseren Mut

Es völlig normal, wenn man am Anfang fast alles als unüberwindbare Hürde ansieht. Zudem muss man seinen Mut nicht auf Olympia-Niveau trainieren. Ohne Angst oder zumindest eine gute Portion Respekt ist man lediglich waghalsig. Dennoch lohnt es sich zukünftig nach Gelegenheiten zu suchen, in denen man Stück für Stück seinen Mut stärken kann.

 

Man muss ja nicht gleich ganz alleine in eine Disko gehen und wildfremde Leute ansprechen, wenn man mutiger auf andere zugehen will. Es reicht, wenn man bei der nächsten Betriebsfeier gezielt mit jemanden spricht, den man nicht kennt. Man muss auch nicht gleich Kugelfisch essen, wenn man mehr über die Japanische Küchen wissen will. Und vielleicht reicht für´s erste eine Fahrt mit der Achterbahn statt gleich ein Bungee-Jump.

Von den Samurai lernen

Es hilft sehr mit inneren Bildern zu arbeiten. Stark sein wie ein Löwe, standfest wie eine Eiche oder tapfer wie ein edler Ritter. Der legendäre Samurai Miyamoto Musashi (1584 – 1645) lehrte, dass die Körperhaltung genauso gepflegt werden müsse wie alles andere am Körper. Denn mit der richtigen Körperhaltung beeindrucke man nicht nur anderen Menschen, sondern auch sich selbst.

Körperhaltung beeinflusst Mut

Die Erkenntnisse des japanischen Ritters werden heute nicht nur als Quelle für Lebensweisheiten und Managementstrategien verwendet, sondern werden auch von modernen Wissenschaftlern bestätigt. Unsere Körperhaltung trägt entscheidend dazu bei, wie wir uns fühlen. Eine geknickte Haltung erzeugt einen Stimmungsknick und umgekehrt.

Embodiment

Die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist wird Embodiment genannt. Auf Deutsch bedeutet Embodiment so viel wie Verkörperung oder Verleiblichung. Dieser Nebenzweig der

Kognitionswissenschaften beschäftigt sich damit, dass sich unser Geist nicht nur im Kopf befindet, sondern im ganzen Körper.

Der portugiesische Neurowissenschaftler Antonio Damasio, der an der University of Southern

California lehrt, bringt es in knappen Worten auf den Punkt. Er sagt: „The mind is embodied, not just embrained.“ Unser Geist ist also nicht nur ein Produkt unseres Gehirns. Er ist auch Teil unseres Körpers. Körper und Geist beeinflussen sich gegenseitig.

Body-Feedback

Das Phänomen, dass sich körperliche Prozesse auf unsere innere Haltung übertragen, nennt man Body-Feedback. Stehen wir beispielsweise offen und aufrecht, dann gibt diese

Haltung dem Gehirn die Rückmeldung, dass wir uns wohlfühlen und ohne Angst sind. Das wiederum wird als sogenannte Rückkopplungsschleife an unseren Körper und unsere Stimmung weitergeleitet. Das Ergebnis ist, dass wir uns offen und aufrecht fühlen.

 

Unser Körper unterstützt uns in unseren Entscheidungen weit mehr als wir annehmen. Es ist viel leichter eine gewünschte Verhaltensweise über die Körper zu bewirken, als gedanklich über Sprache. Wie motivierend sind denn schon Sätze wie «Jetzt reiss Dich zusammen» oder «Augen zu und durch»?

Probieren Sie es aus!

Beobachten Sie sich immer mal wieder im Alltag und führen Sie kleinere Korrekturen an der Körperhaltung vor. Achten Sie vor allem in Situationen, in denen es Zuversicht und Mut

braucht auf eine gute Körperhaltung. Man muss nicht, wie ein Zinnsoldat durch’s Leben gehen, um mutiger zu werden. Probieren Sie statt dessen lieber öfter einmal einen mentalen Sprung ins kalte Wasser und strecken und recken Sie sich dabei. Ich bin mir sicher: Sie sind viel mutiger, als Sie meinen!