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Ein Garten gegen das Vergessen

Ich halte inne. Im Moment vergessen. Möchte die Zeit für einen kurzen Moment anhalten. Alles um mich herum intensiv wahrnehmen. In meinem Gedächtnis speichern. Ich höre das Knirschen des Kiesweges unter meinen Turnschuhen. Nehme meinen langsamen Schritt wahr, wie ich zwischen Beeten schlendere, stehenbleibe, die intensive Farbe einer Dahlie bewundere; mich zu einem liebevoll beschrifteten Schild bücke, um den lateinischen und deutschen Namen eines Gewächses zu lesen, das ich derart noch nie gesehen habe. Andere schon. Viele nicht in ihrer Ausprägung. Halt das, was man aus der Obst- und Gemüseauslage des Detailhandels kennt.

Ich befinde mich an diesem schönen Spätsommernachmittag auf Schloss Wildegg im Kanton Aargau, im Pro Specie Rara Garten – einem Garten gegen das Vergessen, wie er in einem ansprechend gemachten Film treffend bezeichnet wird. Unglaublich, wie viele Birnensorten hier zum Beispiel wachsen. Wir kennen vielleicht ein, zwei einheimische Sorten – hier gedeihen mindestens deren sechs. Oder Wurzel- und Krautgemüse. Blumen, deren Leuchtkraft fast unnatürlich erscheint, Kräuter, die riesig gewachsen sind, Kürbisse, deren Form ich noch nie gesehen habe.

Man möchte jauchzen, dass so etwas Herrliches existiert und von fleissigen Naturfreunden gepflegt und der Öffentlichkeit gezeigt wird. Ich möchte mehr erfahren, wie, was und wann angepflanzt wird – denn in absehbarer Zeit werde ich meinen eigenen Garten gestalten dürfen, und dieser soll naturverbunden und ökologisch gestaltet werden.

 

Wie unbeschreiblich vielfältig Mutter Natur doch ist – wir dezimieren sie auf einen Bruchteil in unserer Küche, Garten oder Balkon. Gewöhnen uns an ein Minimum des Angebotes. Der Klassiker für mich: rote Rüebli. Kennt jeder, iss (fast) jeder. Kennt ihr aber die violette Chantenay? Optisch und geschmacklich ein Erlebnis und ein Farbtupfer auf dem Teller. Bekanntlich

isst das Auge ja auch mit.

Mein Spaziergang bringt mich weiter zum wunderbar duftenden Rosen- und Lavendelgarten. Wer meinen Hallo Wochenende Blog #4 "Der Duft der Rosen" gelesen hat, weiss, dass ich duftende, gross blühende Rosen liebe. Hier blühen sie um die Wette, in allen Sorten, Grössen und Farben. Ich fühle mich in einem Englischen Garten versetzt – hübsche, weisse Gartenzäune, ein munter sprudelnder Springbrunnen, Holzbänke, die zum Verweilen einladen. Die Aussicht von dem erhöht liegenden Schloss Wildegg über den Kanton ist atemberaubend; die Weitsicht nach Aarau und die Ausläufer des Jurafusses einfach grandios. Hier möchte man einfach geniessen, ausruhen, sich von der Artenvielfalt von seltenen Sorten inspirieren lassen, die Zeit vergessen. Schloss Wildegg gehört zu meinen Lieblingsschlössern im Kanton Aargau. Die Veranstaltungen für Gross und Klein gehören in die Kalender der interessierten Besucher (und diejenigen, die es noch werden möchten) eingetragen. Zum Abschluss des Schloss- und Gartenbesuches lässt es sich prima im herzigen Café verweilen und im Hofladen können exzellente Bioprodukte der Familie Huber gekauft werden. Alles aus eigenem Anbau bzw. Tierhaltung. 

 

Habe ich euch neugierig gemacht? Schaut euch den Veranstaltungskalender des Schloss Wildegg an; die Herbstzeit ist atemberaubend schön dort oben. Und sollte das Wetter einmal nicht mitmachen, dann taucht ein in die Geschichte der Familie Effinger, der das Schloss ganze 11 Generationen gehörte.

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Kommentare: 2
  • #1

    Patrick (Montag, 02 September 2019 13:54)

    Ein weiterer Geheimtipp ist das Seleger Moor in 8911 Rifferswil/ZH

    Ein Must für eine Connaisseuse der Natur und des Blütenduftes, wenn nächstes Jahr der Rhododendren und die Azaleen � blühen, Natürlich hat es auch wunderschöne Seerosen

  • #2

    Simone (Montag, 02 September 2019 17:24)

    @Patrick: oh, vielen Dank! Da war ich schon eine Ewigkeit nicht mehr. Vielen Dank für den Hinweis. Auch ein ganz spezieller Ort.
    Herzlichst
    Simone