· 

Die Politik hat Aufholbedarf bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Gestern habe ich mich auf meinem Instagram Account über einen Artikel der Aargauer Zeitung geäussert, welcher den Titel trägt "Grossrätinnen im Mutterschaftsurlaub dürfen sich vertreten lassen - findet die Regierung" (AZ vom 11.07.2019). Ich möchte den Schwung aus meinem letzten Beitrag zum Frauenstreiktag vom 14. Juni aufnehmen. Es handelt sich erneut um ein Thema, welches aufzeigt, dass berufstätige Frauen mit Stolpersteinen zu kämpfen haben, die derart nicht existieren dürften. Ich musste beim ersten Durchlesen schmunzelnd zur Kenntnis nehmen, dass ein politisches Amt nicht stellvertretend durch eine kompetente Person für einen dedizierten Zeitraum abgegeben werden kann; ein System, welches sich in der Privatwirtschaft längstens etabliert hat. 

Störend fand ich beim zweiten Durchlesen jedoch, dass eine engagierte Frau sich zwischen ihren politischen Aufgaben/Pflichten und Familie entscheiden muss. Entweder oder, sprich ihren politischen Verpflichtungen nicht nachkommen oder ihren Anspruch auf Taggeld verlieren. Eine Zerreissprobe. Weil man im Parlament kein Stellvertretungssystem auf Zeit kennt. Ich gebe zu, darüber ärgere ich mich, weil es sich um eine optionslose Schwarz-Weiss-Entscheidung handelt. Natürlich kann argumentiert werden, dass ein politisches Amt viel Verantwortung, Dossierkenntnis und auf einem ad-personam Wahlergebnis fusst; doch sprechen wir von einem überschaubarem Zeitrahmen der Mutterschaftsvertretung, oder? Zweitens, Vertrauenspersonen wird es ja wohl hoffentlich auch in den eigenen Reihen geben, so dass die Stellvertretung zumutbar und im Sinne der zu Vertretenden wahrgenommen wird, stimmts?

Ich freue mich umso mehr, dass mein Lieblingskanton, der Kanton Aargau, eine Vorreiterrolle übernimmt und dank einer engagierten Grünen Politikerin eine zeitgemässe Lösung anstrebt: Politikerinnen, die in den Mutterschaftsurlaub gehen, können sich ab einer Abwesenheit von 12 Wochen stellvertreten lassen. Bravo! Diese Motion ist so etwas von überfällig! Ich hoffe sehr, dass die Regierung den Vorschlag im Grossen Rat positiv diskutiert und zu einem modernen Entscheid gelangt. Ich bin überzeug, dass ein positiver Entscheid Signalwirkung hätte und sich mehr Frauen für eine politische Karriere entscheiden würden, wenn sie zeitgemäss Beruf und Familie unter einen Hut bekommen könnten. Denn Hand aufs Herz: wer sich politisch engagiert und exponiert, ist mit ganz viel Herzblut dabei. Schön, würden wir Frauen wissen, dass wir mit genauso viel Herzblut Beruf und Privatleben vereinbaren sowie unser Wissen und Können im Sinne des Ganzen weiterhin vertreten könnten. Machen wir uns also stark, dass das Stellvertretungssystem auch im politischen Berufsalltag Einzug erhält!

 

Ich bin über eure Meinung gespannt und freue mich, wenn ihr mir einen Kommentar schreibt.

 

Herzlichst

Simone

Kommentar schreiben

Kommentare: 0